NORR AUSZEIT Eisiger Höhepunkt

DIASHOW STARTEN

Hoch hinaus
auf den Halti

 

 

Die Landschaft ist menschenleer.

 

 

Im nordfinnischen Wildnisgebiet Käsivarsi liegt der Halti, der höchste Punkt des Landes.
Christian Kneise hat ihn bestiegen.

 

 

Ein Abenteuer zwischen atemberaubenden Nordlichtern und sehr, sehr frischen Toiletten…

Einsamkeit erleben:

Dank Amundsens Windschutzbauten können die Vogelbeobachter an den eisigen Stellen stundenlang ausharren, statt nur wenige Minuten.

Nach Varanger kamen zuvor schon etwa 3.000 Men­schen jährlich, um Vögel zu beobachten. Die Zahlen haben sich inzwischen fast verdreifacht.

Jedes Bauwerk hat ein eigenes Design, individuell abgestimmt auf den Standort und das dortige Vogelvorkommen. Das Wichtigste sei aber der Umgang mit dem Wind.

  • Prev
  • Next

Norwegische Architektur für Vogelfreunde

Text: Victoria Reith. Foto: Biotope.no

Dass er mit Unterständen für Vogelbeobachter am Polarkreis sein Geld ver­dienen wollte, hielten viele für eine Schnapsidee des norwegischen Architekten Tormod Amundsen. Inzwischen profitiert aber eine ganze Region davon – und Amundsen liebt seinen abwechslungsreichen Job. 

Eigentlich müsste Tormod Amundsen gar nicht erklären, wie er arbeitet. Sein Architektenbüro spräche für sich. An der Wand hängen Entwürfe, eine Landkarte, Fotos von Vögeln und von fertigen Objekten. Licht fällt von mehreren Seiten ein, Amundsen hat direkten Ausblick auf das Ufer der Barentssee. Aufgeräumt ist es nicht, man einigt sich darauf, das Chaos kreativ zu nennen. Er arbeitet gemeinsam mit drei Kollegen in Varanger, im äußersten Nordosten Norwegens, und entwirft Schutzhütten, Windunterstände und Aussichtsplattformen für Vogelbeobachter.

Geschäftsleute und andere Architekten in dem Ort Vardø, wo sich der eigentlich aus dem südlicheren Trondheim stammende Amundsen mit seinem Architekturbüro niederlassen wollte, hatten ihm davon abgeraten, sich auf Unterstände für Vogelbeobachter zu spezialisieren. In Vardø herrschte Pessimismus, die Menschen dort leiden unter dem Rückgang der Fischerei und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit. »Niemand glaubt hier, dass irgendetwas gelingen kann. Andererseits wussten wir um das riesige Potenzial, das bis dahin niemand abgerufen hatte«, sagt der Architekt.

Touristische Initialzündung

Das Potenzial von Varanger sind die Natur und die Vögel. Amundsen ist selbst Vogelbeobachter und hatte sich während des Studiums darüber gewundert, dass zwar viel über CO2-Emissionen gesprochen wurde, es aber kaum Architekten gab, die sich mit Vögeln, Wildtieren und der Natur als solche beschäftigten. Anstatt sich darüber zu beschweren, wollte er derjenige sein, der daran etwas ändert.

»Meine Idee war es, die Fähigkeiten des Vogelbeobachters mit denen des Architekten zu kombinieren.« 2009 eröffnete Amundsen das Architektenbüro »Biotope«. Sein Ziel: dem Naturtourismus in der Region die Initialzündung verleihen. Projekte allein aus dem Zweck des Naturschutzes zu initiieren, sei zwar toll, so Amundsen, wenn dabei aber gleichzeitig die Region wettbewerbsfähig gemacht werden könne, sei das noch besser.

Einzigartiges Design

Amundsen arbeitete anfangs zum Teil ohne Bezahlung und errichtete erste Stationen zur Vogelbeobachtung. Jedes Bauwerk hat ein eigenes Design, individuell abgestimmt auf den Standort und das dortige Vogelvorkommen. Das Wichtigste, so Amundsen, sei der Umgang mit dem Wind, denn selbst im Sommer ist es in Varanger, das am Polarkreis liegt, recht kühl. Ein Unterstand am sogenannten Vogelcliff ist so konstruiert, dass man von dort aus direkt in das Cliff schauen kann.

Ein anderer ragt ins Meer hinein, und wieder ein anderer ist so positioniert, dass man bis zu 30 000 Eiderenten zur gleichen Zeit sehen kann. Ohne Wind­schutz könnte man nur einige Minuten an diesen Stellen verbringen, ohne zu frieren. Mit der Hilfe von Amundsens Bauten können die Vogelbeobachter dort stundenlang ausharren.

Mit der Hilfe von Schemata für die gesamte Region wird entschieden, wo nicht nur ein Unterstand, sondern eine ganze Serie von Windschutzvorrichtungen gebaut wird. »Ein unterschätzter Teil des Jobs ist es, zu entschei­den, wo nicht gebaut wird«, so der Architekt. Dabei handle es sich vor allem um Orte, an denen viele Vögel brüten.

Vor der Eröffnung des Archi­tekturbüros »Biotope« war Varan­ger bereits unter Vogelexperten bekannt. 2 500 bis 3 000 Men­schen kamen jährlich, um Vögel zu beobachten. Die Zahlen haben sich inzwischen fast verdreifacht, auf 7 000 bis 8 000 im Jahr. Die Hotels in Varanger haben expandiert und neue Leute eingestellt. Ähnliches gilt für Gästehäuser. Nicht nur Männer mittleren Al­ters reisen an, sondern auch Paare, Familien und junge Leute wollen das Naturspektakel mit bis zu 100 000 Vögeln sehen. Während früher die relevante Reisezeit Mitte Mai war, kommen die Beobachter inzwischen ab Mitte Februar. Und auch Unterneh­men und Organisationen sind inzwischen interessiert daran, mit »Biotope« zusammenzuarbeiten.

Ganzheitliche Perspektive

In diesem Herbst sind die Ar­chitekten damit beschäftigt, ein Vogelberingungsprojekt zu or­ganisieren, das dazu beiträgt, die Wanderung von Vögeln anhand von individuellen Kennziffern nachzuvollziehen. In seinem Be­ruf sollte man nicht ausschließlich am Schreibtisch sitzen und Ge­bäude entwerfen, findet Tormod Amundsen: »Die Ausbildung zum Architekten hilft auch, Ideen und Konzepte zu entwickeln.«

Die Hälfte der Zeit verbringen er und seine Kollegen damit, Projekte wie ein Vogelfestival zu organisieren, und Regionen zu kartografieren. »Wir versuchen, den Beruf ganzheitlich anzuge­hen«, sagt Amundsen. Inzwischen gibt es nicht nur Nachfrage aus ganz Norwegen, sondern auch aus anderen Ländern. Im Vereinigten Königreich wird 2015 der erste Unterstand errichtet, und auch in Island besteht Interesse, Touristen in Gebiete mit besonderem Vogel­ aufkommen zu locken.

Der Klimawandel sei inzwi­schen deutlich zu spüren, sagt Amundsen. Einige Arten würden im Sommer nicht mehr in Va­ranger bleiben, sondern in den noch kühleren Norden ziehen. Die Vögel seien ein wichtiger Teil des Ökosystems – gehe es ihnen nicht gut, wirke sich das auf das natürliche Gleichgewicht aus. »Um Menschen dazu zu bewegen, sich verstärkt für ein Ökosystem zu interessieren, müssen sie sich als Teil dessen fühlen«, sagt Amundsen, »und an dieser Stelle versuchen wir, so viel wie möglich beizutragen.«

 

Biotope

Tormod Amundsen startete 2009 mit einer Kollegin das Büro »Biotope«, das nach eigenen Angaben weltweit einzige Architekturbüro mit Vogel- und Vogelbeobach- ter-Expertise. Inzwischen sind die Architekten zu viert. Sie entwerfen unter anderem Unterstände, Naturpfade und Amphitheater. Darüber hinaus gehören Studien, Ausstellungen und Workshops zu ihren Aufgaben. Neben der Region Stavanger haben inzwischen auch andere norwegische und ausländische Regionen die Arbeit von »Biotope« in Anspruch genommen.

biotope.no

Skandinavien Guides

  • Telemark-Tipps von Fjord Line: Reiseziele nahe Langesund

    Telemark-Tipps von Fjord Line: Reiseziele nahe Langesund

    Die Fjord Line Destination Langesund liegt nur gut zwei Autostunden entfernt von der Hauptstadt Oslo. Die Umgebung bietet eine Vielfalt an Aktivitäten für Outdoor-Freunde. Fjord Lines Favoriten findest du hier.

  • Mittsommer in Skandinavien

    Mittsommer in Skandinavien

    Wasser, Wellness und faszinierende Hauptstädte – Mit Tallink Silja geht es zum traditionellen Mittsommer in die nordischen Metropolen.

  • Nordische Zauberwelten: Magische Wälder

    Nordische Zauberwelten: Magische Wälder

    Im Herbst werden die tiefen Wälder dunkler und ein wenig unheimlich, aber zugleich auch märchenhaft schön. NORR hat die zehn skandinavischen Wälder zusammengestellt, in denen die Chance, einem Troll zu begegnen, am größten ist.

  • 12 Sommeraktivitäten für den Winter

    12 Sommeraktivitäten für den Winter

    Allzeit draußen – unser NORR Guide für Sommeraktivitäten, die auch in der kalten Jahreszeit Spaß machen.

  • Frühling im Norden: Tipps für Wanderer

    Frühling im Norden: Tipps für Wanderer

    Die meisten Skandinavien-Wanderer sind im Fjäll unterwegs. Doch auch Regionen ohne große Höhenunterschiede bieten tolle Wanderwege mit tiefen Wäldern und zauberhaften Seen. NORR hat die schönsten Frühlingswanderungen zusammengestellt.

  • 09_Sonnencomeback_listiljosi_Credits_Hrefna_Björg_Gylfadóttir

    Lichtfestivals im Norden – sechs strahlende NORR-Favoriten

    Wenn die Tage kürzer werden, erleuchten viele Städte im Norden in einem besonderen Licht. NORR stellt sechs Lichtfestivals vor, die den skandinavischen Winter auf kreative Weise erstrahlen lassen.

  • Winterzauber in Nordfinnland

    Winterzauber in Nordfinnland

    Endlos weiße Weiten und kaum eine Menschenseele: Der Norden Finnlands lockt mit atemberaubenden Landschaften und Naturschauspielen. NORR zeigt euch die wunderbare finnische Winterwelt. 

  • Abenteuer-Tipps für einen Sommer in Finnland

    Abenteuer-Tipps für einen Sommer in Finnland

    Finnland ist nicht nur das europäische Land mit der meisten Waldfläche, es hat im Sommer auch einige coole Outdoor-Events zu bieten. Hier kommen sechs Tipps von NORR für einen aktiven Sommer in Finnland.

  • Atlanterhavsvegen

    Nordic Roadtrip: 12 skandinavische Panoramarouten

    Durch atemberaubende Landschaften gleiten und bleiben, wo das Herz am höchsten schlägt. Hier kommen unser NORR Tipps für die 12 besten Panoramarouten.

  • Prev
  • Next
Alle Guides anzeigen

Grüne Outdoor-Produkte

  • Prev
  • Next
Alle Produkte anzeigen

Weiter empfehlen

Extra für NORR-Abonnenten

Hier kannst du dich für den Premium-Bereich anmelden, um alle großen NORR-Reportagen in voller Länge zu lesen. Wenn du noch keine Zugangsdaten erhalten hast, schicke bitte eine Mail mit deiner Abo-Nummer an abo@norrmagazin.de.

Abonnieren & Premium lesen