NORR AUSZEIT Meereswanderer

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Wanderer
des Meeres

 

3 Freunde.
3 Bretter.
3 Wochen.

 

Die Fotografen von Planet Visible entdecken
die arktische Inselwelt nördlich von Tromsø
auf dem SUP-Board.

 

Ein Abenteuer in faszinierender Natur,
bei dem sie das Einfache schätzen lernen
und mit großen Momenten belohnt werden.

Reportage lesen:

»Wanderer des Meeres«

Visuelle Stories:

56. Nordische Filmtage +++ Festivalticker +++

56. Nordische Filmtage +++ Festivalticker +++

Die Nordischen Filmtage in Lübeck sind das wichtigste deutsche Festival für Filme aus Nordeuropa. Es findet dieses Jahr bereits zum 56. Mal statt. NORR-Reporter Jens Dehn ist vom 29. Oktober bis 2. November 2014 vor Ort und berichtet, was das skandinavische Kino in diesem Jahr zu bieten hat.

+++ TAG 5: Rückblick und Fazit +++

Die 56. Nordischen Filmtage sind zu Ende, Zeit für das unausweichliche Fazit. Festivalmanager Christian Modersbach nennt die diesjährige Ausgabe einen guten Jahrgang. Darüber kann man gerne geteilter Meinung sein. Tatsächlich waren die Filmtage 2014 voll mit großen und bekannten Namen sowie Titeln. Roy Anderssons Venedig-Gewinner „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ (Foto) lief hier ebenso wie Ruben Östlunds „Turist“ („Höhere Gewalt“), der in Cannes einen Preis gewann. Und „Blind“ von Eskil Vogt wurde gar schon im Februar bei der Berlinale ausgezeichnet. Die Wertschätzung, die skandinavische Filme im ablaufenden Festivaljahr auf der ganzen Welt erfahren haben, wurde für Lübeck zum Problem: Von Anfang an durchwehte den Spielfilmwettbewerb der Hauch der Zweitverwertung. Der Rest war eher mau, inhaltlich oder formal mutige Filme suchte man vergebens, es war viel Mittelmaß zu sehen.

Eine Taube...

Dass am Ende der isländische Film „Straße der Hoffnung“ mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde, geht in Ordnung. Das episodenhafte Drama ist stimmig erzählt und von guten Schauspielern getragen. Ob sich in fünf Jahren noch jemand an den Film erinnern wird, darf aber bezweifelt werden. Von den oben genannten Titeln wurde wohl bewusst keiner ausgezeichnet, um das Gefühl des Aufwaschs nicht zu offensichtlich werden zu lassen.

Strasse der Hoffnung2

Am letzten Tag sah ich mit „Brief an den König“ noch einen gelungenen Beitrag, der bei der Preisverleihung knapp leer ausgegangen ist, aber immerhin eine lobende Erwähnung der Jury erhalten hat. Eine Gruppe von Asylbewerbern macht darin einen Ausflug und erkundet einen Tag lang Oslo. Der 82-jährige Mirza, der akut von der Abschiebung bedroht ist, will dem König persönlich einen Brief überbringen.

Brief an den König

Die 57. Nordischen Filmtage finden vom 4. bis zum 8. November 2015 statt.

Alle Preisträger in der Übersicht:

NDR Filmpreis:
Strasse der Hoffnung (Vonarstræti) von Baldvin Z, Island

Publikumspreis der “Lübecker Nachrichten”: 
HalloHallo (HallåHallå) von Maria Blom, Schweden

Baltischer Filmpreis:
Schwedenbastard (Svenskjævel) von Ronnie Sandahl, Schweden

Kirchlicher Filmpreis:
1001 Gramm von Bent Hamer, Norwegen

Dokumentarfilmpreis:
Früher träumte ich vom Leben (Näin unta elämästä) von Jukka Kärkkäinen, Finnland

Preis der Kinderjury:
Der Junge mit den Goldhosen (Pojken med guldbyxorna) von Ella Lemhagen, Schweden

Kinder- und Jugendfilmpreis:
Der Lehrjunge (Oppipoika) von Ulrika Bengts, Finnland

+++ TAG 4: Wochenendstress und Gewinner +++

Tag 4, es wird unschön. Das Wochenende ist gekommen und mit ihm die Zuschauermassen. Proportional zur Anzahl der Menschen steigt meine Gereiztheit. Unter den vielen Typen, in die man das Kinopublikum einteilen kann, ist der Mitten-im-Eingangsbereich-Stehenbleiber der Schlimmste. Heute war es Katrin (oder Katja, so ganz habe ich es nicht verstanden), die zwei Meter hinter der Eingangstür abrupt abstoppte und mich auflaufen ließ. Grund war das Wiedersehen mit einer Freundin. Die beiden hatten sich – dem Maß ihrer Freude nach zu urteilen – zuvor mehrere Jahre nicht gesehen. So schön das Treffen für die Frauen sein mochte, mich machte es unleidlich. Da die Abendschiene am Samstag der iPhone 6-Verkaufsstart unter den Vorstellungsterminen ist, sollte man zu diesem Zeitpunkt grundsätzlich 10 Minuten einplanen, nur um die Lobby zu durchqueren.

Strasse der Hoffnung

Nachdem ich mir den Weg schließlich gebahnt hatte, sah ich mit „Strasse der Hoffnung“ den, wie am Abend bekannt wurde, diesjährigen Gewinner des Spielfilmpreises. Die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter in Geldnot und eines erfolgreichen, aber alkoholabhängigen Autors ist der erste isländische Film seit 20 Jahren, der mit dem Hauptpreis des Festivals ausgezeichnet wird.

Zu den weiteren Preisträgern gehören die schwedischen Filme „HalloHallo“ (Publikumspreis, Foto unten) und „Schwedenbastard“ (Preis der Baltischen Jury). Den kirchlichen Preis erhielt der Eröffnungsfilm „1001 Gramm“ von Bent Hamer, „Früher träumte ich vom Leben“ aus Finnland wurde als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

HalloHallo

Zum Abschluss des Tages lief mit „Schändung – Vergessene Spuren“ die zweite Verfilmung der Jussi Adler-Olsen-Romane um Kommissar Carl Mørck und das Sonderdezernat Q. Der Krimi beginnt vielversprechend, verliert aber schnell den erzählerischen Faden und endet in einem misslungenen Finale. Nichtsdestotrotz wird „Schändung“ wie sein Vorgänger „Erbarmen“ Anfang 2015 in die deutschen Kinos kommen.

Schändung

+++ TAG 3: Vorträge, Interviews und Filme +++

Unwissende kommen ja gerne mal auf die Idee, die Arbeit während eines Filmfestivals bestünde aus acht Stunden lustigem Filmeschauen am Tag. Das ist natürlich falsch. Zum einen sind es mehr als acht Stunden. Und außerdem finden nebenbei noch diverse andere Veranstaltungen statt, die zur Teilnahme einladen. Und die Texte über das Erlebte und Gesehene schreiben sich schließlich auch nicht von alleine.

Nachdem ich also in der Nacht auf Freitag um halb Drei den NORR-Festivalticker von Tag 2 an meinen Lieblingsauftraggeber geschickt hatte, bin ich kaum fünf Stunden später wieder aufgestanden, um den Tag mehr oder weniger frisch mit dem „Lübeck Film Studies Colloquium“ zu beginnen. Vier Stunden lang gab es überwiegend interessante Vorträge zu filmwirt- und filmwissenschaftlichen Themen zu hören. Im Zentrum dieses erstmals ausgerichteten Kolloquiums stand die Filmkomödie in Skandinavien, die auch Thema der diesjährigen Retrospektive ist.

Kolloquium

Später im Kino lief in dieser Reihe „Fjols til fjells“, eine norwegische Verwechslungskomödie aus dem Jahr 1957, die auf Englisch „Morons in the Mountains“ heißt und der Alliteration wegen wohl mit „Gaga im Gebirge“ übersetzt wurde. Die heute 81-jährige Hauptdarstellerin Unni Bernhoft war persönlich nach Lübeck gekommen, um den Film vorzustellen.

Fjols til fjells

Im Spielfilmwettbewerb war „Turist“ von Ruben Östlund zu sehen. Der schwedische Film gewann im Frühjahr in Cannes bereits den Jurypreis in der Sektion „Un certain regard“. Im Skiurlaub wird eine schwedische Familie von einer Lawine überrascht. Statt seine Frau und Kinder zu schützen, bringt der Vater instinktiv sich selbst in Sicherheit und muss sich fortan mit seinem eigenen Verhalten und Anspruch auseinandersetzen. „Ich wollte Leute zeigen, die reich sind, alles besitzen und die Kontrolle haben“, erklärt Regisseur Östlund im Interview. „Und denen schließlich alles entgleitet, weil sie sich mit ihren eigenen menschlichen Schwächen konfrontiert sehen.“

Turist

+++ TAG 2: Ruhige Erzählung und ein Experiment +++

In all der Festivalhektik gab es zu Beginn des zweiten Tages für mich ein wenig Entschleunigung: Die Dokumentation „Der Laden – Wo die Zeit still steht“ handelt von einem kleinen Tante Emma-Laden irgendwo in der isländischen Provinz. Hinter der Theke steht der 83-jährige Bjarni und bedient seine Kunden freundlich und zuvorkommend, wie er es im letzten halben Jahrhundert immer gemacht hat. Vor 50 Jahren hat er den Laden von seinem Vater übernommen, einige der Einrichtungsgegenstände könnten älter als er selbst sein. Regisseur Arni Gunnarsson kennt den gutmütigen Bjarni seit seinem sechsten Lebensjahr. Mit „Der Laden“ ist ihm ein liebevolles Portrait des Kaufmanns gelungen und zugleich ein Blick zurück in eine Zeit fernab von Shopping-Malls und Massenabfertigung.

Der Laden

Das Gegenteil dieses ruhigen, in gemächlichem Tempo erzählten Dokumentarfilms ist der norwegische Spielfilm „Blind“. Eskil Vogt hat sich bislang vor allem einen Namen als Drehbuchautor gemacht. Mit seinem Debüt als Regisseur liefert er ein anspruchsvoll-verschachteltes, teils rätselhaft-irreales Experiment, dessen Inhalt adäquat zusammenzufassen kaum möglich ist. Im Zentrum steht die vor kurzem erblindete Ingrid, die sich an ihre neue Situation erst noch gewöhnen muss und sich fragt, ob sie von ihrem Mann in der eigenen Wohnung beobachtet wird und ob er sie mit einer anderen Frau betrügt. „Blind“ fordert vom Zuschauer große Konzentration, belohnt ihn aber mit einigen gelungenen Drehbucheinfällen.

Blind

Zum Abschluss des Tages konnte ich in der Spätvorstellung noch „Beatles“ sehen, die Verfilmung eines Romans von Lars Saabye Christensen, der auf Deutsch unter dem Titel „Yesterday“ erschienen ist. Die Jugenderlebnisse von vier Freunden in den 1960er Jahren sind für die Adaption stark gestrafft worden, insgesamt wirkt der Film trotz aller Sorgfalt bei der Ausstattung zu bemüht und bieder erzählt. Die jugendlichen Hauptdarsteller vermögen jedoch zu überzeugen und retten „Beatles“ vor einer kompletten Enttäuschung.

Beatles

+++ TAG 1: BÄNDCHEN FÜR 1001 GRAMM +++

Es fehlt an Bändchen. Meine Kollegin Sonja hat auch keins bekommen. Das ist nicht gut, die Bändchen sind wichtig. An ihnen befestigt man seine Akkreditierung und hängt sie sich dann um den Hals. Das hat den Vorteil, dass man die Akkreditierung, die für Pressevertreter auch als Eintrittskarte gilt, am Kinoeingang immer schnell zur Hand hat, nicht in der Jackentasche danach suchen muss oder gar Panikattacken bekommt, weil man sie verloren zu haben glaubt. Solche Stressmomente braucht man bei einem Filmfestival nun wirklich nicht.

In der Regel ist man als Journalist auf einem fünftägigen Festival darauf bedacht, sich eher wenig aufzuregen, sparsam zu bewegen und ökonomisch von einer Vorstellung in die nächste zu kommen. Man reist mit leichtem Marschgepäck (Stift, Block, Foto, Diktiergerät, Festivalkatalog) und vermeidet Kraftanstrengungen jeder Art. Dieser Sparmodus liegt im Wesentlichen darin begründet, dass die Aufnahme fester Nahrung während des Festivals als Luxus gilt und unter Profis auch eher verpönt ist.

Ohne Bändchen, aber mit vollem Magen (Mittagessen auf der Raststätte Wülferode-Ost – das gilt noch nicht!), wurden die 56. Nordischen Filmtage mit Bent Hamers neuem Film „1001 Gramm“ eröffnet. Als Mitarbeiterin des Eichamts reist Marie durch ganz Norwegen, um Messgeräte zu kontrollieren. Nun wird sie auf Dienstreise nach Paris geschickt, wo sie das norwegische Referenzkilogramm neu kalibrieren lassen soll. In der Stadt der Liebe lernt sie den sympathischen Franzosen Pi kennen. Ganz in der Tradition von Hamers früheren Erfolgen „Eggs“, „Kitchen Stories“ oder „O’Horten“ ist auch „1001 Gramm“ von dem ihm eigenen, lakonisch-trockenen Humor durchzogen, ohne den Zuschauer jedoch durchgehend bei Laune halten zu können.

1001 Gramm

Am Abend wurde auch die Retrospektive eröffnet, die dieses Mal im Zeichen der skandinavischen Komödie steht. Den Auftakt bildete der älteste Film der Reihe, Mauritz Stillers Stummfilm „Thomas Graals bester Film“ aus dem Jahr 1917. Ein Drehbuchautor will darin die von ihm angebetete Sekretärin erobern, indem er einen Abenteuerfilm für sie schreibt, in dem die beiden auch gleich gemeinsam die Hauptrollen spielen sollen. Mitunter etwas wirr erzählt, ist Stiller nichtsdestotrotz eine sehr unterhaltsame Komödie gelungen. Keines der ganz bekannten Werke des Regisseurs und gerade deshalb eine echte (Wieder-)Entdeckung.

Thomas Graals bester Film

Morgen stehen vier Filme auf meinem Programm. Hoffentlich ist der Bändchen-Engpass bis dahin behoben.

 

DIE FILMTAGE

NLF Logo 2014 o.D

 

Das einzige Festival in Deutschland und in Europa, das sich ganz auf die Präsentation von Filmen aus dem Norden und dem Nordosten des Kontinents spezialisiert hat.

Offizielle Webseite

 

DER FILMREPORTER

JENS_DEHN

Der NORR-Reporter auf den Filmtagen: Jens Dehn ist freier Filmjournalist und schreibt Berichte, Reportagen, Rezensionen, Porträts und Interviews für verschiedene Tageszeitungen und Fachmedien. Seit Anfang 2014 ist er in NORR mit einer eigenen Kolumne vertreten.

Jens‘ Webseite
Jens‘ Seite „Skandinavisches Kino“

 

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