NORR AUSZEIT Felsige Freuden

Sommertrip nach Åland - Diashow starten

FELSIGE FREUDEN

 

Roter Stein in blauen Wellen: Ålands Granit ist ein Abenteuerspielplatz für Boulderer. NORR-Redakteurin Karen Hensel radelte mit ihren Freunden quer über die Inseln, um an den finnischen Felsen zu klettern.

 

Foto: Hendrik Morkel

Åland erleben:

Extase im Publikum bei einem Konzert der Band Agent Fresko im Reykjavík Art Museum.

Die Indie-Rock Band Dikta ist für sehenswerte Live-Auftritte berühmt.

Agnes Björt Andradóttir, Sängerin der Elektro-Band Sykur.

Blick über den Fischereihafen von Reykjavík zum Epizentrum des Iceland Airwaves: dem futuristisch anmutenden Konzerthaus Harpa.

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Iceland Airwaves Festival: Ausflippen auf Isländisch

Text: Eva-Maria Vochazer. Foto: Florian Trykowski

Langes Wochenende für Musikliebhaber: Das Iceland Airwaves Festival weht pünktlich zu den großen Herbststürmen 7 000 Besucher aus allen Ecken der Welt nach Reykjavík – zu einem etwas anderen Musikfestival.

Wo liegt die coolste Stadt Europas Anfang November? Keine Frage, auf einer Insel mitten im Nordatlantik! In Reykjavík treten die aufregendsten internationalen Newcomer beim Iceland Airwaves Festival auf, aber auch die interessantesten jungen Bands der quirligen isländischen Musikszene. Die Festival-Macher haben ein gutes Händchen für eine anregende Mischung aus Pop, Rock, Elektronik, Experimentellem und Singer- Songwriter-Tönen. Dem mitunter herausfordernden Wetter trotzt man mit viel guter Laune, denn es gibt fünf Tage lang Musik nonstop. Und Dauerparty auf den Straßen.

Der Clou beim Iceland Airwaves: Die Musiker spielen nicht nur abends in den Clubs und Konzertsälen, sondern auch tagsüber auf improvisierten Bühnen in Cafés, Jugendherbergen, Buchläden und Kulturzentren – sogar in Schwimmbädern oder im Friseursalon. Oder, wenn es etwas feierlicher sein soll, auch in der Kirche. Wie die versponnen isländischen Pop-Träumer Múm, deren sanfte Töne auf Abwege führen. Und mit Wonne quetscht man sich nachmittags in den legendären Plattenladen »12 Tónar«, wo die jungen isländischen Postrocker For A Minor Reflection wunderbar poetisch lärmen.

Höhepunkt des Jahres

Vor vier Jahren spielte eine ansteckend fröhliche isländische Folkrockband vor 20 Zuschauern in einer Eckkneipe. Heute füllen Of Monsters And Men weltweit die Hallen. Keine Frage, dass das Airwaves für die Isländer der musikalische Höhepunkt des Jahres ist, sagen alle beteiligten Bands. Das gilt besonders für die Newcomer, etwa die talentierte Singer-Songwriterin Myrra Rós, die wir im Café Prikið treffen, wo man mit Unmengen Kaffee und deftiger Hausmannskost den Hangover des Vortags bekämpft. Sie ist eine lebhafte junge Frau mit knallrosa Haaren, die uns darüber aufklärt, dass sie keineswegs mit der berühmtesten isländischen Band Sigur Rós verwandt ist. »Myrra Rós ist einfach ein ganz normaler isländischer Vorname«, lacht sie. Ihre folkpoppigen Töne sind dagegen von ruhiger Schönheit. Eine norwegische Bookerin hat sie nach einem improvisierten Konzert in einer Kneipe bereits für ein Festival im kommenden Jahr gebucht.

Aber inmitten all dieses bunten Treibens gibt es auch Schattenseiten: Die Einheimischen bemängeln, dass sich die Dinge in Reykjavíks City allzu rasant verändern und die Stadt an ihrem eigenen Erfolg als angesagtes Reiseziel zu ersticken droht. Einige der beliebtesten Musik-Clubs sind in den vergangenen Jahren verschwunden und mussten Hotels Platz machen. »Man kann eine Stadt auch mit zu vielen Hotels kaputt machen«, kritisiert Árni von der experimentierfreudigen isländischen Indiepopband Rökkurró. In der Innenstadt reihen sich inzwischen schicke Cafés, Souvenirshops, Tour-Anbieter und teure Designläden aneinander. Interessante Schmuddel- Ecken, in denen die Off-Kultur blühte, verschwinden allmählich. Die quicklebendige Reykjavíker Szene weicht zum alten Hafen aus, auf dessen ehemaligem Gelände Rökkurró inzwischen ihren Probenraum haben. Aber ein wenig trauert man Veranstaltungsstätten wie dem »Nasa Club« oder dem urgemütlichen »Café Hemmi og Valdi« nach, wo die supersympathischen lokalen Indie-Rocker von Dikta so leidenschaftlich aufspielten, dass das Kondenswasser in kleinen Bächen von den Scheiben troff.

Angesagte Acts

Gleichwohl! Das US-Musikmagazin Rolling Stone liegt schon richtig, wenn es das Iceland Airwaves als »das hippste lange Wochenende im jährlichen Festival-Kalender« bezeichnet. Um aufzuklären, woher der Name stammt: Das Festival fand zum ersten Mal im Jahr 1999 statt – zunächst provisorisch in einem Flughafen-Hangar, daher der Name. Seitdem ist es unaufhaltsam gewachsen. Nörgler klagen jedes Jahr aufs Neue, dass es inzwischen »viel zu überlaufen« sei. Ein wenig stimmt das schon, denn bei den angesagten Acts darf man lange anstehen. Andererseits muss man nur ein wenig flexibel sein, denn in der Reykjavíker Innenstadt sind die Wege kurz. Zahlreiche Bands treten gleichzeitig auf. Also einfach drei Kneipen weiter treiben lassen, vielleicht entdeckt man ja gerade so seine neue Lieblingsband.

ICELAND AIRWAVES

Das Iceland Airwaves Festival ist Islands bekanntestes Musikfestival, das sich in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem international publiken Event entwickelt hat. Das nächste Festival findet vom 5. bis 9. November 2014 statt.

Die isländische Fluggesellschaft Icelandair bietet Flug und Festival-Pass zum Pauschalpreis an.

Icelandair Boeing 757-200

Die englischsprachige Monatszeitung Reykjavík Grapevine gibt zu Festival-Zeiten täglich online die besten Tipps. Und wer sich schon vorab über die isländische Musikszene informieren will: Bei Iceland Music Export gibt es reichlich Hörproben!

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