NORR AUSZEIT Felsige Freuden

Sommertrip nach Åland - Diashow starten

FELSIGE FREUDEN

 

Roter Stein in blauen Wellen: Ålands Granit ist ein Abenteuerspielplatz für Boulderer. NORR-Redakteurin Karen Hensel radelte mit ihren Freunden quer über die Inseln, um an den finnischen Felsen zu klettern.

 

Foto: Hendrik Morkel

Åland erleben:

Die Ferienhäuser wurden für Volvo-Mitarbeiter gebaut. Mit den billigen Charterflügen in den 70er Jahren verliert der Ferienort jedoch seinen Glanz.

Was übrig blieb, sind verlassene Häuser und Zimmer. Die einfachen Hütten können mit den exotischen Reisezielen kaum mithalten.

Das elegante Konferenzzimmer zeugt von einer Zeit, in der die Ytong-Wandbausteine Schwedens bevorzugtes Baumaterial waren.

Das Angebot an Unterhaltung scheint permanent zuzunehmen und klassische Ausflugsziele wie eine herkömmliche Schwimmhalle werden immer uninteressanter.

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Schwedens Ruinen: Auf Entdeckungstour mit Jan Jörnmark

Text: Gabriel Arthur. Fotos: Jan Jörnmark.

»Urban Exploration« ist eine neue, rasch wachsende Subkultur in Schweden. Ihre Anhänger schleichen zu Tausenden in verlassenen Wohnhäusern, verfallenen Fabriken und unkrautüberwucherten Vergnügungsparks herum. Wegbereiter war der promovierte Wirtschaftshistoriker Jan Jörnmark.

In der Biographie mancher Menschen gibt es ein eindeutiges »Vorher« und »Nachher«. Ein unerwartetes Ereignis – ein Autounfall, ein Lottogewinn, ein auffordernder Blick – hat bewirkt, dass das Leben eine völlig neue Richtung nahm. So war es auch bei dem Historiker Jan Jörnmark. In seinem Fall muss von gleich zwei Ereignissen die Rede sein. Am Anfang des dritten Jahrtausends war er ein angesehener Dozent für Wirtschaftsgeschichte an der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg. Seine Doktorarbeit über den Zusammenbruch der westeuropäischen Kohle- und Stahlindustrie war 1993 positiv aufgenommen worden. Anschließend hatte er mehrere Bücher geschrieben, nach denen der Weg zum Professorentitel in mittleren Jahren vorgezeichnet schien. »Ich war ein Berufsakademiker mit einer gesicherten, komfortablen Zukunft«, resümiert Jan Jörnmark. Ein Telefongespräch und eine Autofahrt sollten die Situation grundlegend verändern. Im Herbst 2002 rief ein guter Freund an, »einer von Schwedens Super-Ingenieuren«, wie Jan Jörnmark sagt, und berichtete, dass die Fabrik für Glasfaseroptik, die er einige Jahre zuvor gegründet hatte, nun schließen müsse. Für denIngenieur war das keine persönliche Katastrophe. Er hatte nämlich im Mai des Jahres 2000 sein Unternehmen für schwindelerregende 800 Millionen Euro an eine amerikanische Firma verkauft. Die aber war nun so gut wie pleite. Jan Jörnmark, der gründlich erforscht hatte, wie es zugegangen war, als in den Kohle- und Stahlindustrien Europas rund zwei Millionen Arbeitsplätze verschwanden, hatte bei diesem Gespräch ein »Aha-Erlebnis«. Früher dauerte es Jahrzehnte, manchmal Jahrhunderte, ein Unternehmen aufzubauen, das dann so hoch bewertet wurde wie die Fabrik für Glasfaseroptik im Jahr 2000. Abwärts konnte es natürlich schneller gehen. Aber in der Hysterie um Wachstum und Kollaps der IT-Blase kündigte sich etwas Neues an. »Mir wurde schlagartig klar, dass der Zugang zu neuen Techniken, die immer schneller, besser und billiger werden, unsere Gesellschaft von Grund auf verändern würde. Und dass wir bislang erst den Anfang dieser Veränderung erlebt hatten.« Gemeinsam mit seinem guten Freund, dem Super-Ingenieur, schrieb Jan Jörnmark unter dem Titel »Globala förkastningar (Globale Verwerfungen)« ein Buch zum Thema. Die größte schwedische Tageszeitung erwähnte es in ihren Weihnachtsempfehlungen für das Jahr 2004, aber die Resonanz blieb schwach. Das wiederum änderte sich mit dem zweiten Ereignis. Jan…

JAN JÖRNMARK

10033

Jan Jörnmark, Jahrgang 1959, ist Dozent für Wirtschaftsgeschichte an der Technischen Hochschule Chalmers und an der Handelshochschule in Göteborg. Seine Webseite über verlassene Orte gehört zu den Topadressen für Urban Exploration weltweit.

URBAN EXPLORATION

Diese Subkultur, oft kurz UE genannt, entstand in den 80er Jahren in Detroit, Melbourne und Belgien und hat sich seitdem auch in anderen Industriestaaten verbreitet. Heute ist Schweden eines der wichtigsten UE-Länder. Die Anhänger suchen und besuchen verlassene Gebäude, aufgegebene Fabriken, geschlossene Zechen, stillgelegte Tunnelsysteme und ähnliches. Sie machen Fotos und stellen sie ins Internet. Die inoffiziellen Regeln schreiben vor, dass man niemals eine Tür aufbricht oder sonstige Eingriffe vornimmt, sondern den Ort in dem Zustand verlässt, in dem man ihn vorgefunden hat. Auch sollte man niemals die genaue Lage des Ortes verraten – das ist einer der Anreize beim Suchen. In Schweden ist der Wirtschaftshistoriker Jan Jörnmark zu einer Leitfigur geworden, dank seiner vielbesuchten Website, mehreren Büchern und einer Fernsehserie zum Thema. Im Sommer 2010 hat Jörnmark unter dem Namen »Creative Destruction« eine internationale Website für moderne Ruinen aus aller Welt eingerichtet.

creativedestruction.se

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