NORR AUSZEIT Meereswanderer

DIASHOW STARTEN

Wanderer
des Meeres

 

3 Freunde.
3 Bretter.
3 Wochen.

 

Die Fotografen von Planet Visible entdecken
die arktische Inselwelt nördlich von Tromsø
auf dem SUP-Board.

 

Ein Abenteuer in faszinierender Natur,
bei dem sie das Einfache schätzen lernen
und mit großen Momenten belohnt werden.

Reportage lesen:

»Wanderer des Meeres«

Visuelle Stories:

Lofoten-Surfer Interview: Wir haben ein Müllproblem

Lofoten-Surfer Interview: Wir haben ein Müllproblem

Interview und Text: Karen Hensel. Foto: Inge Wegge und Jørn Ranun.

Alles begann mit einer verrückten Idee. Die norwegischen Surfer Inge Wegge und Jørn Ranun zogen zum Wellenreiten an einen Lofoten-Strand nördlich des Polarkreises – und sammelten drei Tonnen Müll. Ihr Dokumentarfilm Nordfor sola wird nun auf internationalen Festivals gefeiert. Im NORR-Interview erzählen sie ihre Geschichte.

NORR : Wie seid ihr auf die Idee gekommen, an genau diesen Strand zu ziehen?

Inge: Vor ein paar Jahren entdeckte ich auf der Suche nach guten Wellen gemeinsam mit einem Freund die Bucht. Die Schönheit und Einsamkeit des Ortes hat uns komplett umgehauen. Aber uns fiel auch auf, dass dort extrem viel Müll herumlag. Damals malten wir uns aus, wie es wäre, hier einige Zeit zu verbringen, jeden Tag surfen zu gehen und den Strand von all dem Abfall zu befreien, den das Meer an Land gespült hatte. Mein Kumpel starb ein Jahr später tragischerweise bei einem Kletterunfall. Der Strand ging mir seither nie mehr aus dem Kopf. Ich kehrte mit Jørn zurück und wir fassten den Entschluss, neun Monate dort zu leben, eine Hütte zu bauen, aufzuräumen und den ganzen Winter über surfen zu gehen.

Wie fühlte es sich an, bei drei Grad Wassertemperatur surfen zu gehen?

In Norwegen sind wir es zwar gewohnt, nicht gerade in badewannenwarmem Wasser zu surfen, aber als die ersten eisigen Wellen über uns brachen, hatten wir das Gefühl, dass das Blut in unseren Köpfen gefriert. Wir trugen zwar dicke Neoprenanzüge, aber nach ein paar Stunden im Wasser haben wir oft unsere Hände und Füße vor Kälte nicht mehr gespürt. Unsere Surfsessions wurden mit abnehmendem Tageslicht und immer kälterer Luft stetig kürzer. Trotzdem haben wir versucht, wann immer es ging, rauszupaddeln und ein paar Wellen zu reiten.

Eure Nahrung habt ihr aus einem lokalen Laden bezogen, der euch abgelaufene Lebensmittel überlassen hat. Ernährst du dich schon länger auf diese Art?

Tatsächlich kaufe ich seit zehn Jahren so gut wie keine Lebensmittel mehr im Supermarkt. Es fing damit an, dass ich als Teenager nach abgelaufenen Süßigkeiten stöberte und mich tierisch darüber freute, wenn ich was umsonst bekam. Im Laufe der Zeit wurde das Verwerten von Lebensmitteln, die sonst im Müll gelandet wären, zu meiner Grundeinstellung. In anderen Teilen der Erde hungern Menschen und in unseren Supermärkten wird Nahrung einfach weggeworfen, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist oder sie nicht mehr hundertprozentig toll aussieht. Dabei ist sie noch komplett in Ordnung. Ich fühle mich einfach schlecht, wenn ich Lebensmittel kaufe.

Gab es etwas, das ihr vermisst habt?

Auch wenn sich das komisch anhören mag, aber mir hat eigentlich nichts gefehlt. Außer Gemüse vielleicht. Für Jørn war es etwas schwieriger. Er hat seine Freundin vermisst. Klar wäre es schön gewesen, ab und zu ein paar mehr Leute um sich zu haben, aber ich hatte ansonsten alles, was ich zum Leben brauchte: Ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und einen perfekten Surfspot direkt vor der Nase.

Woran erinnerst du dich am liebsten?

Die Nordlichter am Strand zu beobachten, war unbeschreiblich schön. Und ich erinnere mich auch immer wieder an einen regnerischen Tag, an dem die Wellen extrem hoch waren. Wir waren erst ein paar Tage an unserem Strand und hatten gerade angefangen, unsere Hütte zu bauen. Ich kämpfte mich mit meinem Surfbrett durch die meterhohen Wellen, wurde immer wieder zurückgetrieben, schluckte viel Wasser und war fast am Ende meiner Kräfte. Als ich es endlich auf die »Outside« geschafft hatte, dort, wo die Wellen nicht mehr brechen, wurde es wahnsinnig ruhig um mich herum und ich sah über unserem Strand einen doppelten Regenbogen. In der Mitte, zwischen den beiden Bögen, flog ein Adler. Da wurde mir das Glück bewusst, das Jørn und ich hatten, an einem so wilden und magischen Ort leben zu dürfen.

Welche Botschaft wollt ihr mit eurem Film vermitteln?

Vor allem geht es uns darum, Menschen zu inspirieren, ihren Herzen zu folgen und ihre Träume zu leben, egal wie verrückt diese sind. Und ohne hier mit dem erhobenen Zeigefinger stehen zu wollen, ist es uns wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass in unserer Gesellschaft ein Müllproblem herrscht. Dinge, die noch tauglich sind, egal ob Lebensmittel oder Gebrauchsgegenstände, werden viel zu schnell einfach weggeworfen. Wir haben uns von genau diesen Dingen neun Monate lang ernährt und eine winterfeste Hütte gebaut. Das Meer ist voll von Müll. Es ist erschreckend zu sehen, was im Laufe der Monate alles angespült wurde.

Hat die Zeit am Strand dich auch persönlich verändert?

Auf jeden Fall. Dass man, wenn man in der Stadt lebt, zu jeder Zeit Dinge in einem Laden kaufen kann und immer erreichbar ist, wird einem erst bewusst, wenn man diese Möglichkeiten verliert. Ich habe erfahren, wie frei man sich fühlen kann – ohne Handy und E-Mails. Und dass absolut nichts passiert, wenn man seinen Facebook-Status nicht stündlich aktualisiert. Seitdem versuche ich so oft wie möglich an Orte zu kommen, an denen ich diese Art von Freiheit und Zeitlosigkeit wieder spüren kann.

Den Artikel zu Nordfor-Sola-Interview findest du in der aktuellen NORR Winternummer. Hier bestellen oder NORR abonnieren.

Nordfor sola

Müllsammeln. Foto:Inge Wegge und Jørn Ranun

Die Erfolgsgeschichte von Nordfor sola (dt. Nördlich der Sonne) begann im Jahr 2012. Seitdem wurde der Dokumentarfilm auf zahlreichen Festivals in aller Welt gezeigt und mit Preisen überhäuft. Man kann ihn auf Vimeo ausleihen oder kaufen. Von jedem Verkauf spenden Inge Wegge und Jørn Ranum einen Dollar an die Organisation »TheOceanCleanUp«.

northofthesun.no

WEITERLESEN

Lest mehr zu der Geschichte von Inge Wegge und Jørn Ranun in unserem NORR-Artikel.

Skandinavien Guides

  • Stockholm City-Guide: Die besten Tipps

    Stockholm City-Guide: Die besten Tipps

    Stockholm ist nicht nur der Sitz von NORR, die schwedische Hauptstadt ist auch eine lebenswerte und vielseitige Stadt. Grund genug für die Redaktion, ihre 24 Highlights zu teilen.

  • Finnisches_Weihnachtsdorf_Hannover_Foto_Kalevalaspirit_1

    Skandinavische Weihnachtsmärkte in Deutschland

    Von isländischem Branntwein und schwedischen Zimtschnecken bis hin zu finnischem Kunsthandwerk – skandinavische Weihnachtstraditionen erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. NORR stellt fünf Weihnachtsmärkte vor.

  • Schwedische Weihnachtstraditionen

    Schwedische Weihnachtstraditionen

    Wie sah und sieht eigentlich die Zeit bis zum 24. Dezember traditionellerweise in Schweden aus? NORR stellt 14 historische Bräuche und ihre Geschichten vor.

  • imagebanksverige.se - TonyToreklint

    Südschweden mit Malmö: Unsere Tipps

    In der landschaftlich reizvollen Provinz Skåne in Südschweden führen alle Straßen nach Malmö. Schwedens drittgrößte Stadt ist Teil der expandierenden Öresundsregion und durch die Öresundbrücke mit der dänischen Hauptstadt Kopenhagen verbunden. Hier sind unsere neun besten Tipps für einen Sommer im schwedischen Süden.

  • Aktivurlaub im Norden: Dörfer mit Erlebniswert

    Aktivurlaub im Norden: Dörfer mit Erlebniswert

    Der kleine Ort Gafsele ist ein internationales Zentrum für den Hundeschlittensport, andere Dörfer sind Hotspots für Wildwasserkanuten oder Langläufer. NORR hat sich auf dem Land umgeschaut und die zehn besten Abenteuerdörfer Schwedens besucht.

  • Frühling im Norden: Tipps für Wanderer

    Frühling im Norden: Tipps für Wanderer

    Die meisten Skandinavien-Wanderer sind im Fjäll unterwegs. Doch auch Regionen ohne große Höhenunterschiede bieten tolle Wanderwege mit tiefen Wäldern und zauberhaften Seen. NORR hat die schönsten Frühlingswanderungen zusammengestellt.

  • Vintage Shopping: Die charmantesten Flohmärkte Skandinaviens

    Vintage Shopping: Die charmantesten Flohmärkte Skandinaviens

    Wühlen, stöbern, staunen und dabei einzigartige Fundstücke zum Schnäppchenpreis erobern. NORR präsentiert die schönsten und außergewöhnlichsten Flohmärkte in Kopenhagen, Stockholm, Oslo und Helsinki.

  • Nah an der Natur: Outdoor-Orte für Aussteiger

    Nah an der Natur: Outdoor-Orte für Aussteiger

    Du liebst die Natur des Nordens – und willst das Stadtleben hinter dir lassen? NORR präsentiert zehn skandinavische Outdoor-Orte für Aussteiger – von der Surfer-Hochburg im dänischen Jütland bis zum Kletterdorf auf den nord-norwegischen Lofoten.

  • NORR Stockholm

    Gut essen in Stockholm: Restaurant-Guide für Insider

    Ob mexikanisches Restaurant, Edelkantine oder rustikale Bierhalle: Der NORR-Guide präsentiert zehn Orte in Stockholm, an denen ihr gut essen könnt.

  • Prev
  • Next
Alle Guides anzeigen

Grüne Outdoor-Produkte

  • Prev
  • Next
Alle Produkte anzeigen

Weiter empfehlen

Extra für NORR-Abonnenten

Hier kannst du dich für den Premium-Bereich anmelden, um alle großen NORR-Reportagen in voller Länge zu lesen. Wenn du noch keine Zugangsdaten erhalten hast, schicke bitte eine Mail mit deiner Abo-Nummer an abo@norrmagazin.de.

Abonnieren & Premium lesen