NORR AUSZEIT Eisiger Höhepunkt

DIASHOW STARTEN

Hoch hinaus
auf den Halti

 

 

Die Landschaft ist menschenleer.

 

 

Im nordfinnischen Wildnisgebiet Käsivarsi liegt der Halti, der höchste Punkt des Landes.
Christian Kneise hat ihn bestiegen.

 

 

Ein Abenteuer zwischen atemberaubenden Nordlichtern und sehr, sehr frischen Toiletten…

Einsamkeit erleben:

Die Umweltstiftung "Naturarvet" sammelt Geld, um Wälder wie den 70 Hektar großen "Iglekärr" vor der Abholzung bewahren zu können. Foto: Naturarvet

Noch vor drei Jahren standen hier 160 Jahre alte Bäume - bis ein schwedisches Forstunternehmen mit der großflächigen Abholzung begann. Foto: Jo Jarl/Naturarvet

Ihre Liebe zu Schweden hat die Chormitglieder von »De Tokiga Trollen« dazu gebracht, einen Teil des "Iglekärr" aufzukaufen. Foto: Erik Nordblad

  • Prev
  • Next

Urwaldschutz in Schweden: Die Waldretter

Text: Miriam Petzold. Foto: Lo Jarl, Erik Nordblad

Ein Wald ist nicht gleich ein Wald – vor allem nicht in Schweden. Anders als in Deutschland gibt es hier noch richtige Urwälder. Damit das so bleibt, engagieren sich ausgerechnet immer mehr Deutsche für den Schutz der »Gammelskogar«.

Elche gibt es im Rheinland nicht, dafür aber Trolle. Sogar singende. Als »De Tokiga Trollen« aus Leverkusen vergangenen Sommer in die europäische Kulturhauptstadt Umeå reisten, hatten sie nicht nur Notenblätter im Gepäck, sondern vor allem ein Ziel vor Augen: Die Rettung des Iglekärr-Urwalds in der Nähe von Göteborg. Im Rahmen des Kulturfestivals widmeten »Die verrückten Trolle« dem Waldschutzprojekt eine ganze Ausstellung. Mithilfe der Erlöse aus dem Bilderverkauf und gesammelten Spenden übernahmen sie anschließend über »Naturarvet« die Patenschaft für einen Teil der Forstfläche. Die schwedische Umweltstiftung versucht den Iglekärr-Gammelskog
in der Region Västra Götaland mit der Aktion Stück für Stück aufzukaufen und so vor der Abholzung zu bewahren. Auch NORR unterstützt das Vorhaben: Fünf Prozent der Erlöse unseres Green-Partner-Projekts gehen direkt an »Naturarvet« und haben bereits mehr als 10 000 Quadratmeter Wald retten können. Seine rund 1 800 Quadratmeter hat der Chor liebevoll »Trollskog« (dt. Trollwald) getauft.

KAMPF GEGEN DIE ZERSTÖRUNG

Sattgrün und verwildert erstreckt sie sich über eine scheinbar endlose Weite – wir haben eine ganz bestimmte Vorstellung der Waldlandschaft Schwedens. Und anscheinend halten viele Deutsche nicht nur an ihr fest, sondern sind auch bereit, für sie zu kämpfen. Für eine Natur, die sich selbst überlassen wird, verwildern darf und die unzählige Lebewesen ihr Zuhause nennen. Eine, die droht, fast komplett zu verschwinden. »Habt ihr in Deutschland keine eigenen Wälder, die ihr schützen könnt?«, wurde Chormitglied Andrea Ginsberg augenzwinkernd, aber auch ernsthaft verwundert, von einem Schweden in Umeå gefragt. Der wichtige Unterschied zwischen Wald und Urwald scheint Einheimischen gar nicht bewusst zu sein. Aber warum regt sich ausgerechnet in Deutschland immer mehr Widerstand?

»Zwanzig Prozent der bei uns verbrauchten Papierprodukte bestehen aus schwedischen Waldholzfasern«, weiß Rudolf Fenner, Waldreferent des gemeinnützigen Vereins »Robin Wood« mit Büros in Bremen und Hamburg. »Als größter Kunde der schwedischen Forstindustrie sind wir mitverantwortlich für die Urwaldzerstörung«, erklärt er das Engagement der Organisation, die sich kürzlich an die schwedische Regierung gewandt hat. In zahlreichen unterzeichneten und an den zuständigen Minister Sven-Erik Bucht übergebenen Briefen, fordert sie ein sofortiges Einschlag-Moratorium für alle noch vorhandenen Naturwälder. Fenner und die Teilnehmer der Unterschriftenaktion wollen damit ein Zeichen setzen: »Wir beziehen unser Holz gerne weiter aus Schweden. Aber bitte nicht aus den Naturwäldern.«

EIN LIED AUF DEN WALD

Seit den 1950er Jahren wurden 60 Prozent der schwedischen Wälder dem Boden gleichgemacht und in wirtschaftlich erfolgreiche, aber einfältige Holzproduktionsflächen umgewandelt. Schuld an dieser raschen Entwicklung ist die Forstpraxis der sogenannten »Kahlschläge«, der großflächigen Abholzung. Diese ist dort, anders als in Deutschland, noch ohne große Einschränkung erlaubt und gegenwärtige Praxis. Deshalb sind heute mehr als 850 Pflanzen- und Tierarten des Waldes bedroht. Von den etwa fünf Prozent der unversehrt gebliebenen Natur- und Urwaldfläche stehen nur 3,8 Prozent unter staatlichem Schutz. Die restlichen 880 000 Hektar des schützenswerten Waldbestands, die »Naturarvet« um der Biodiversität willen aufzukaufen versucht, sind der Forstindustrie und ihrer radikalen Kahlschlagmethodik weiterhin ausgesetzt.

»Trollarollarollala«, sang Andrea Ginsberg, als sie inmitten des »Trollskog« stand. Zuvor ist sie mit einigen anderen Chormitgliedern durch den Iglekärr-Wald gelaufen, das Navigationssystem mit den Koordinaten des erworbenen Waldstücks immer im Blick. »Es gab keine Wege, die Bäume standen dicht an dicht oder lagen quer, oft ging es steil bergauf und wir hatten einfache Turnschuhe an – definitiv ein Fehler.« Als sie sich schließlich aus der Wildnis herausgekämpft und es zu einer Lichtung geschafft hatten, stimmte Andrea Ginsberg glücklich die choreigene Einsingübung an. Um sie herum sah es genauso aus, wie sie es sich vorgestellt hatte.

 

DAS NORR-WALDABO

12138525_1137930062887390_2420504780747926103_o

 

 

 

 

 

 

Seit 2011 unterstützt NORR in Zusammenarbeit mit der Umweltstiftung »Naturarvet« den Erhalt von Iglekärrs Gammelskog. Fünf Prozent der Erlöse aus dem NORR-Green-Partner-Projekt fließen direkt in den Urwaldkauf. Über 10 000 Quadratmeter wurden bereits erworben. Auch unsere Leser können zum Erhalt des Iglekärr-Urwalds beitragen: Mit dem NORR-Waldabo kannst du ein Jahresabo für dich oder einen anderen Naturfreund bestellen und gleichzeitig Pate für vier Quadratmeter Urwald in Schweden werden. Als Dank erhälst du eine Urkunde von »Naturarvet« und NORR.

norrmagazin.de/waldabo

 

Skandinavien Guides

  • cafe_blå_lotus_visit_stockholm

    Kanelbulle & Co: 7 Café-Tipps in Stockholm

    Wo ließe sich die Leidenschaft der Schweden für saftige Zimtschnecken und guten Kaffee besser vereinen als in einem der vielen exzellenten Stockholmer Cafés? NORR hat sieben Favoriten zusammengestellt.

  • Wildnisschulen: Kurse zum Überleben in der Natur

    Wildnisschulen: Kurse zum Überleben in der Natur

    Survivaltraining in Wald und Wildnis: In Skandinavien teilen erfahrene Outdoor-Guides ihr Wissen mit abenteuerlustigen Natur-liebhabern. NORR hat sechs Wildnisschulen ausgewählt, die das Leben in und mit der Natur lehren.

  • Favoriten für den Herbst in Skandinavien

    Favoriten für den Herbst in Skandinavien

    Goldgelbe Fjällbirkenwälder, saftige Blaubeeren und weißgepuderte Berggipfel: das ist Herbst in Skandinavien. NORR hat einen Guide zu den idyllischsten Plätze im Norden erstellt.

  • City-Guide Kopenhagen: Dänemarks grüne Hauptstadt

    City-Guide Kopenhagen: Dänemarks grüne Hauptstadt

    Ob die perfekte Laufstrecke, eine minimalistische Espressobar oder ein Markthallen-Mekka für Food-Nerds: NORR-Chefredakteur Gabriel Arthur verrät seine besten Tipps für einen grünen Kopenhagen-Besuch.

  • Credit_Petri_Jauhiainen_Vastavalo

    Finnland feiert 100. Geburtstag – NORR feiert mit!

    Die Finnen erlangten am 6. Dezember 1917, also heute vor genau 100 Jahren, ihre Unabhängigkeit. NORR sagt »Onneksi olkoon!« und feiert den Geburtstag mit einer Auswahl der schönsten Finnland-Reportagen!

  • Outdoor-Tipps für den Sommer in Stockholm

    Outdoor-Tipps für den Sommer in Stockholm

    Stockholm ist reich an Naturschönheiten. Wälder, Seen und Strand sind immer leicht erreichbar. NORR hat zehn einzigartige Outdoortipps für unbeschwerte Sommertage in Stockholm ausgewählt.

  • Bergen City-Guide: Die besten Tipps

    Bergen City-Guide: Die besten Tipps

    Die zweitgrößte Stadt Norwegens bietet – neben Regen – eine vielfältige Kultur- und Restaurantszene und außerdem spannende Outdoor-Aktivitäten rund um die atemraubende Fjordlandschaft. NORR hat die 20 besten Tipps rausgesucht. 

  • Odense-Guide: Insidertipps für die aufstrebende Metropole

    Odense-Guide: Insidertipps für die aufstrebende Metropole

    Ob angesagte Festivals mit Tausenden Besuchern, gemütliche, vegane Cafés in der Altstadt oder Outdoor-Hotspots mitten in der Stadt: NORR präsentiert Insidertipps für die dänische Fahrradhauptstadt Odense.

  • Umeå Kreativstadt im Norden

    Umeå: Kreativstadt im Norden

    Alte traditionelle Holzhäuser, Kunstinstallationen und neue futuristische Gebäude treffen in Umeå aufeinander. NORR-Redakteurin Karen Hensel hat die Kulturhauptstadt besucht.

  • Prev
  • Next
Alle Guides anzeigen

Grüne Outdoor-Produkte

  • Prev
  • Next
Alle Produkte anzeigen

Weiter empfehlen

Extra für NORR-Abonnenten

Hier kannst du dich für den Premium-Bereich anmelden, um alle großen NORR-Reportagen in voller Länge zu lesen. Wenn du noch keine Zugangsdaten erhalten hast, schicke bitte eine Mail mit deiner Abo-Nummer an abo@norrmagazin.de.

Abonnieren & Premium lesen