NORR AUSZEIT Eisiger Höhepunkt

DIASHOW STARTEN

Hoch hinaus
auf den Halti

 

 

Die Landschaft ist menschenleer.

 

 

Im nordfinnischen Wildnisgebiet Käsivarsi liegt der Halti, der höchste Punkt des Landes.
Christian Kneise hat ihn bestiegen.

 

 

Ein Abenteuer zwischen atemberaubenden Nordlichtern und sehr, sehr frischen Toiletten…

Einsamkeit erleben:

Der Fjällräven Classic findet jedes Jahr im Sommer statt und verläuft 110 Kilometer entlang des Kungsleden durch das schwedische Fjäll.

Geteilte Freude ist doppelte Freude. Das gilt auch beim Wandern in der schwedischen Wildnis.

Beim gemeinsamen Wandern geraten die Anstrengungen in den Hintergrund. Man merkt gar nicht, wie man Kilometer für Kilometer zurücklegt.

Die Natur ist die eigentliche Gewinnerin. Je mehr Zeit man sich beim Wandern lässt, desto mehr kann man sie genießen.

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Fjällräven Classic: Gemeinsam Wandern

Text: Jonas Hållén, Foto: Jonas Hållén und Fredrik Broman.

Das skandinavische Fjäll gilt als Paradies für einsame Wanderer. Doch die Zahl derjenigen, die lieber gemeinsam unterwegs sind, wächst. NORR-Mitarbeiter Jonas Hållén hat es ausprobiert und sich mit 2000 anderen Wanderern auf den Weg zum Fjällräven Classic gemacht.

Letztes Mal war es ein knallharter Wettbewerb. Ich und mein Wanderfreund wollten die 110 Kilometer von Nikkaluokta nach Abisko auf jeden Fall unter 72 Stunden schaffen und eine Goldmedaille mit nach Hause nehmen. Wir hatten unsere durchschnittliche Gehgeschwindigkeit berechnet, die wir auch schön mit dem GPS-Gerät kontrollierten. Dieses Mal ist es anders. Ich stehe am Start des Fjällräven Classic in Nikkaluokta ohne die geringsten Ambitionen, die Strecke in einer gewissen Zeit hinter mich bringen zu müssen. Um mich herum sitzen und liegen Menschen mit ihren Wanderrucksäcken. Einige tragen Tights, Stirnband und Laufshirts. Andere haben Trekkinghosen, Hemden oder T-Shirts aus Lammwolle am Körper. Und obwohl es noch früh am Tag ist, brennt die Sonne bereits. Das Wasser in meiner Plastikflasche ist schon vor dem Start alle und plötzlich finde ich mich in einer Schlange vor dem Wasserhahn mit anderen durstigen Wanderern wieder. Meine wichtigsten Ausrüstungsgegenstände sind dieses Jahr Papier und Stift. Ich werde nämlich eine  Reportage über den Fjällräven Classic schreiben. Am Abend zuvor treffe ich Jörgen Johansson in Kiruna, der für die schwedische Zeitschrift Outside von dem Wanderevent berichten wird. Formal betrachtet, sind wir also Konkurrenten, allerdings als Journalisten, nicht als Wanderer. Wir werden dennoch einen Teil der Strecke gemeinsam gehen. Die Eiligen stürmen sofort nach dem Start los. Sie haben keine Zeit für Rentierburger oder Kaffee und Kuchen, die in der kleinen Sami-Siedlung am östlichen Strand des Sees Láddujavri nach etwa fünf Kilometern verkauft werden. So ging es uns beim letzten Mal auch, unser Blick war nur auf das GPS-Gerät gerichtet, das eine durchschnittliche Geschwindigkeit von ungefähr sechs Kilometern in der Stunde anzeigte. Wir waren sogar schneller als geplant und wollten ja keine Pause einlegen, sondern lieber weiter Strecke machen und unsere angepeilte Zeit noch um einige Stunden unterbieten. Doch dieses Mal halten Jörgen und ich an und trinken erst mal Kaffee. Um uns herum sitzen schon einige andere und lassen es sich gut gehen. Vielleicht liegt es daran, dass ich beim letzten Mal selber so auf das Ergebnis fixiert war, aber die Stimmung unter den Teilnehmern dieses Jahr wirkt wesentlich entspannter.

ERLEBNIS ODER ERGEBNIS?

Fjällräven hat die Ausrichtung des Wettbewerbs in den letzten Jahren bewusst verändert. Die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen wurden 2012 eingestampft und durch eine einheitliche Auszeichnung ersetzt, die jeder bekommt, der das Ziel erreicht. Auch die offiziellen Startflaggen in verschiedenen Farben, die den Startgruppen Das Erlebnis zählt, nicht das Ergebnis.zugeordnet waren, wurden durch Stoffstücke in den gleichen Farben ersetzt. Man soll nicht das Gefühl haben, dass man überholt wird, wenn jemand mit einer anderen Flaggenfarbe einen einholt, oder gar »Farben« jagen, während man unterwegs ist. Stattdessen soll verstärkt die Natur im Vordergrund stehen. Die Teilnehmer sollen die Wanderung genießen und nicht gegeneinander kämpfen. Das Erlebnis zählt, nicht das Ergebnis. Mit dieser Strategie will man sich auch von anderen Veranstaltungen ähnlicher Art absetzen, die in den letzten zehn Jahren in Schweden entstanden sind, und bei denen die Geschwindigkeit entscheidend ist. Die Rechnung scheint aufzugehen. Die Anmeldung wurde an einem Montagmorgen um acht Uhr freigeschaltet und eine halbe Stunde später hatten sich bereits 600 Personen angemeldet. Nach 24 Stunden waren es schon tausend Teilnehmer. Dann brach der Server zusammen. Und am Ende der Woche waren alle Plätze weg.

Doch eins ist gleich geblieben: Die meisten schleppen riesige Rucksäcke mit sich rum, die aussehen, als würden sie mindestens fünfzehn Kilo wiegen. Ich habe dieses Mal versucht, mein Gepäck auf zehn Kilo zu reduzieren. Jörgen ist mit noch weniger unterwegs: 6,4 Kilo Basisausstattung, also Bekleidung und Ausrüstungsgegenstände, und zwei Kilo Proviant. Man muss allerdings fairerweise erwähnen, dass er schon mehrere Bücher zum Thema »Ultraleicht wandern« geschrieben hat und auch einen entsprechenden Blog betreibt. Er gehört zu den bekanntesten Vertretern dieser »Wandergattung« – sowohl in Schweden als auch in anderen Ländern Europas. Mehrere Teilnehmer, die wir entlang des Weges treffen, haben seinen Blog und/oder seine Bücher gelesen. Und sie möchten gerne mit ihm über Ausrüstungsfragen diskutieren. Ich auch. Meine Windjacke misst 25 Denier (eine Maßeinheit, die für das Gewicht von Garn und Textilien verwendet wird). »Meine hat nur 15«, sagt Jörgen. Ich mache mir ein paar Notizen und stelle in Gedanken bereits eine neue Packliste zusammen. Manchmal kommt es halt doch auf die Größe an – auf die des Rucksacks, versteht sich. Es ist ein großer Unterschied, ob man nur zehn oder 15 Kilo auf dem Rücken hat. Alles geht leichter, wenn das Gewicht stimmt.

DIE SOZIALE KOMPONENTE

Auch nette Gesellschaft spielt beim Wandern eine wichtige Rolle. Das kann man sogar wissenschaftlich beweisen. Peter Fredman, Professor an der Mid Sweden University und verantwortlich für das Forschungsprogramm »Friluftsliv i förändring« (dt. etwa: Veränderung des Freiluftlebens; damit sind Erlebnisse in der Natur als auch Outdooraktivitäten gemeint. Anm. der Redaktion) erwähnt oft die »soziale Komponente«, wenn er auf das Thema zu sprechen kommt. Und ich glaube, er hat Recht. Während Jörgen und ich uns unterhalten, merken wir gar nicht, wie wir Kilometer um Kilometer zurücklegen. Auch die Anstrengung gerät fast ganz in den Hintergrund. Jörgen ist eigentlich ein ausgeprägter einsamer Wolf beim Wandern, doch die meisten Wanderer sind tatsächlich zu mehreren unterwegs. Und die Gemeinschaft verstärkt das Erlebnis sogar noch, wenn man den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen Glauben schenkt. Auf halbem Wege nach Láddujavri legen wir eine Pause ein. Beim letzten Mal bekam mein Wanderfreund an dieser Stelle Schmerzen im Kniegelenk. Doch weder Jörgen noch ich haben irgendwelche Blessuren. Wir gehen schön nach dem bewährten Muster, das auch im Militär und bei der Rentierzucht verwendet wird: Fünfzig Minuten gehen, zehn Minuten Pause. Außerdem haben wir Wanderstöcke dabei, die unsere Knie schonen. Nach 35 Kilometern erreichen wir die Singi-Hütten. Auch hier habe ich eine bleibende Erinnerung an meine Classic-Premiere: Mitten in der Nacht wurde ich von gehetzten Teilnehmern geweckt, die mit grellen Stirnlampen am Zeltplatz vorbeiliefen. Jetzt ist es hier schön ruhig. Es gibt immer noch einige Spezialisten, die den Fjällräven Classic im Lauftempo in zehn bis 15 Stunden absolvieren. Doch die buchen sich meistens in den ersten Startgruppen ein, damit sie ausreichend Platz auf den Wegen haben. Die meisten Teilnehmer benötigen für die 110 Kilometer drei bis vier Tage.

Direkt neben uns bauen zwei Jungs aus Frankfurt ihr Zelt auf, sie sind zum ersten Mal im schwedischen Fjäll. »Es ist schon ganz nett, wenn man Natur dieser Art in organisierter Form besuchen kann wie bei diesem Event«, sagen die beiden.

Die komplette Reportage kannst du in der aktuellen Frühlingsausgabe von NORR lesen.

Fjällräven Classic 2013

Der Wanderlauf Fjällräven Classic findet jedes Jahr im Sommer im schwedischen Fjäll statt. Die Teilnehmer müssen eine 110 Kilometer lange Strecke von Nikkaluokta im Süden nach Abisko im Norden entlang des klassischen Wanderweges Kungsleden bewältigen. 2013 nahmen 2100 Wanderer an der Wanderung teil. Insgesamt waren 30 verschiedene Nationalitäten am Start und die Mehrheit der Teilnehmer kam aus dem Ausland, ein Großteil aus Deutschland. Vor dem Start wurden 22 000 Portionen vakuumverpackte Expeditionsnahrung, 34 000 Brotscheiben, 1 500 Gaskartuschen sowie Wanderpässe, Karten und Mülltüten ausgegeben. Damit das Fjäll auch in Zukunft sauber bleibt, sammelten die Teilnehmer im letzten Jahr ca. eine Tonne Müll entlang des Weges ein. Der nächste Fjällräven Classic findet vom 8. bis 15. August 2014 statt.

fjallraven.de/classic

Kleines Wörterbuch

Utrustningslista = Packliste

Ryggsäck = Rucksack

Hastighet = Geschwindigkeit

Vandring = Wanderung

Anmälningsavgift = Startgebühr

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