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Einsamkeit erleben:

Im Hafen von Harstena.

Unvorstellbare Weite liegt vor mir, im Wasser glitzern die Sonnenstrahlen. Nichts erinnert an die tragische Vergangenheit von Harstena.

Elof Magnusson kann noch von der Robbenjagd auf den Själbådar-Felsen erzählen.

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Die letzten Jäger von Harstena

Text: Gabriel Arthur.

Själbådarna heißen die sechs flachen, kahlen Felsinseln, die etwa einen Meter aus dem Wasser ragen und am äußersten Rand des Schärengebiets von Sankt Anna liegen. Dahinter ist nur noch offenes Meer. Der größte Felsen, Hällarna mit Namen, hat ungefähr die Ausmaße eines Fußball feldes. Dort finde ich eine kleine Bucht, ideal für Kajaks. Ich ziehe den Kajak an Land. Die Möwen heben ab…

…und suchen das Weite. In einiger Entfernung schwirren ein paar Seevögel über die Meeresoberfläche. Sonnenstrahlen glitzern im Wasser, das der Wind über die Felsplatten schwemmt. Drüben auf den Schären schlafen jetzt noch alle, außer den Fischern.
Von der dramatischen Vergangenheit der Själbådar-Inseln ist an diesem schönen Augustmorgen nichts zu sehen. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts waren diese Felsen der größte europäische Sammelplatz für Graurobben. Im Frühling und im Herbst fanden sich die Tiere in Scharen hier ein. Ihre Anzahl wurde nie wissenschaftlich erfasst, aber aus verschiedenen Quellen weiß man, dass sich zeitweise bis zu dreißigtausend Graurobben in diesem Gebiet aufhielten. Im Jahr 1932 war der schwedische Journalist und Schriftsteller Sven Barthel hier. In seinem höchst lesenswerten Reportagebuch »Harstena« schrieb er: »Man sieht einen ununterbrochenen Strom von Robben, die teils im Wasser Wache halten, teils auf die Felsen kriechen, sich wieder ins Meer gleiten lassen und von neuem hinaufkriechen. Bis auf den Inseln kein Fleckchen mehr frei ist. Die Tiere krabbeln übereinander, wiegen sich und schaukeln mit den Köpfen, sie rutschen mit ihren schweren Körpern über die Felsplatten, kämpfen miteinander und paaren sich, schnaufen und brüllen.« Wenn die sechs kleinen Inseln vollkommen mit Robben bedeckt waren, hörte man einen furchterregenden Gesang, hilflos traurig und zugleich rücksichtslos ungezähmt, den Sven Barthel »die Stimme der Wildnis« nannte: »Eine durchdringende, abgründige Musik, ein ohrenbetäubender Jammerchor… wie Hundegekläff und Kindergreinen, Wolfsgeheul und Ochsengebrüll, wie das Wehklagen der Verdammten im Höllenfeuer.«

HARSTENAS DUNKLE VERGANGENHEIT

Die nächste besiedelte Insel war, damals wie heute, Harstena. Zu ihr gehörten die Själbådar-Felsen, seit die Dorfbewohner 1757 ihr Land und ihre Fischgründe vom schwedischen König freigekauft hatten. Damit hatten sie hier draußen das exklusive …

HARSTENA UND SANKT ANNA

Das Schärengebiet von Sankt Anna zählt zu den weltweit schönsten Gebieten für Fahrten mit dem Seekajak. Es erstreckt sich von Arkösund im Norden bis Finnfjärden im Süden. Die zum Festland hin gelegenen Schären sind groß und haben dichten Baumbestand, aber je mehr man sich dem äußersten Gürtel nähert, desto kleiner und karger werden sie. Man kann hier deutlich sehen, wie das Inlandseis sich seinerzeit vorgearbeitet hat. Die kleinen Inseln sind von Nordwesten her rundgeschliffen, sie sehen aus wie eine Walherde, die nach Süden wandert. Zwischen ihnen findet man ideale Kajak-Gewässer, ruhig und ohne Wellengeplätscher. Vor allem im Missjö-Archipel, östlich der Fahrrinne, die zwischen Häradsskär und Missjö verläuft, liegen Hunderte von kleinen Eilanden dicht beieinander. Boote meiden diese flachen Gewässer, und man hat gute Chancen, ein eigenes Inselchen zu finden, wo man sein Zelt aufbauen kann. Wenn man sein Lager am äußeren Randgebiet der Schären aufschlägt, im »havsband«, wie es die Schweden nennen, hat man einen wunderbaren Blick auf den Sonnenaufgang über der Ostsee. Zwei schöne Inseln mit Aussicht auf das offene Meer sind Gråskär und Tallskär. Ungefähr eine Seemeile weiter draußen kann der erfahrene Paddler kleine schwarze Felsinseln entdecken, auf die jedes Jahr nur wenige Menschen ihren Fuß setzen.
Eine Paddeltour wert ist auch der Fischerort Harstena, eines der am besten erhaltenen Dörfer im schwedischen Schärengebiet. Die Geschichte der Bewohner von Harstena reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Sie waren jahrhundertelang die bedeutendsten Robbenjäger der Ostsee. Ihre Jagdgründe lagen bei den Själbådar-Felsinseln östlich von Harstena, die ebenfalls einen Ausflug wert sind. Harstena erreicht man vom Missjö-Archipel aus, wenn man in südlicher Richtung über Finnfjärden paddelt. Im Sankt Anna-Skärgård gibt es mehrere Vogelschutzzonen, und außerhalb des Schärengebiets liegt das Robbenreservat Sandsänkan. Man sollte sich mit dem „Allemansrätt“ vertraut machen, um sich über die hier geltenden Regeln zu informieren. Die nächste größere Stadt ist Norrköping. Von dort braucht man mit dem Auto oder mit dem Bus etwa eine Stunde bis zur Insel Norra Finnö, wo man Kajaks mieten und bei Bedarf einen Fremdenführer engagieren kann (stannakajak.com). Bis zum Missjö-Archipel paddelt man von hier aus eine Stunde. Eine andere Möglichkeit ist, von Norrköping
per Bus oder Auto bis Arkösund zu fahren. Dort gibt es ebenfalls eine Kajakvermietung und Fremdenführer. Von Arkösund paddelt man südwärts und erreicht den Missjö Archipel nach einem halben Tag.

HARSTENA UND DIE ROBBEN

Als Harstena im Jahre 1757 freigekauft wurde, erhielten die Inselbewohner das Alleinrecht für die Robbenjagd auf den Själbådar-Felsen. Gleichzeitig wurden die Gewässer im Umkreis von einem Kilometer für jeden Bootsverkehr gesperrt. Die Felsinseln mit ihren reichen Fischgründen waren ein bevorzugter Sammelplatz der Ostsee-Graurobben. Zu bestimmten Zeiten hielten sich an die dreißigtausend Robben in diesem Gebiet auf. Durch die Jäger von Harstena war die Stammpopulation der Robben nie gefährdet. Das bewirkten erst Krieg und Umweltverschmutzung. Als im Zweiten Weltkrieg Militärmaschinen im Pendelverkehr über die Själbådar-Inseln flogen, die bis dahin abseits aller Flugrouten lagen, wurden die Robben vertrieben. Die Leute von Harstena vermuteten, dass die Tiere die Flugzeuge für Adler hielten. In den fünfziger und sechziger Jahren, als neue Schädlingsbekämpfungsmittel, vor allem DDT, die Gewässer verseuchten, starben die Robben aus. Erst in den letzten zehn Jahren hat die Robbenpopulation in der Ostsee begonnen, sich zu regenerieren. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die Robben sich jemals wieder zu Tausenden bei den Själbådar-Inseln versammeln und auf die Felsen kriechen werden. Der Schiffs- und Flugverkehr ist dort inzwischen viel zu lebhaft und die Fischbestände sind stark dezimiert. Das schwedische Reichsamt für Denkmalpflege hat Harstena als eines der besterhaltenen Dörfer im Schärengebiet ausgewiesen. Seit 1967 darf am Erscheinungsbild des Dorfes nichts mehr verändert werden.

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