NORR AUSZEIT Meereswanderer

DIASHOW STARTEN

Wanderer
des Meeres

 

3 Freunde.
3 Bretter.
3 Wochen.

 

Die Fotografen von Planet Visible entdecken
die arktische Inselwelt nördlich von Tromsø
auf dem SUP-Board.

 

Ein Abenteuer in faszinierender Natur,
bei dem sie das Einfache schätzen lernen
und mit großen Momenten belohnt werden.

Reportage lesen:

»Wanderer des Meeres«

Visuelle Stories:

Magische Wege: Wandern in Skåne
  • Prev
  • Next

Magische Wege: Wandern in Skåne

Text: Karen Hensel Foto: PlanetVisible

Moosbewachsene Felsbrocken, versteinerte Gigantenbäume und geschmackvolle Diebesverstecke. NORR-Redakteurin Karen Hensel begibt sich mit ihren Freunden auf den Skåneleden und wandelt durch die Wildnis auf den Spuren von Riesen und Rabauken.

Der sattgrüne Zauberwald öffnet seine Tore und gewährt uns Einlass in seine geheimnisvollen Tiefen. Mit jedem Schritt wandern wir weiter in eine verwunschene Sagenwelt. Tassemarken (dt. das Tatzenland) wird das Land genannt, in dem Jean-Luc, Justin und ich unterwegs sind. Will man Tassemarken finden, so sollte man im nordöstlichsten Zipfel Skånes danach Ausschau halten.

Keiner von uns dreien kann sich so recht vorstellen, wie wild Schwedens südlichste Provinz wirklich sein kann. Wir wollen es erfahren und heute auf 13 Kilometern von Bökestad am See Raslångenbis nach Brotorpet am See Immeln wandern. Die Strecke ist eine Etappe des 367 Kilometer langen Küste-zu-Küste-Weges, der von Sölvesborg im Osten bis zur Bjärehalvön im Westen Skånes verläuft. Der Trail gehört zu einer der fünf Teilstrecken des Skåneledens, einem rund 1 000 Kilometer langen Wanderwegsystem. Orange Ringe an Bäumen und Pfählen kennzeichnen den Pfad, dem wir nun aufmerksam folgen, mit dem schleichenden Gefühl, am Beginn einer Reise durch eine andere Zeit zu stehen.

Riesenkiefern und Wanderbuchen

Auf verschlungenen Steigen geht es durch eine hügelige Landschaft bergauf und bergab, immer entlang des Sees Raslången, der sich mit seinen unzähligen kleinen Buchten wie der Schatten eines schlafenden Riesen in die Landschaft schmiegt.Vor vielen Millionen Jahren, als das Klima auf der Erde wärmer war als zu heutiger Zeit, wuchsen an seinen Rändern gigantische Kiefern, verwandt mit den Riesenmammutbäumenin Kalifornien. Wir halten Ausschau nach den versteinerten Überresten der Hünenbäume, deren Fossilien an der westlichen Seite zu finden sein sollen.

Der Weg folgt nun direkt dem Ufer des endlosen Gewässers, das geheimnisvoll zwischen den Bäumen glitzert.Dicke Äste und Baumstämme versperren dann und wann die Strecke. An einer Lichtung setzen wir uns auf die von der Sonne erwärmten Felsen. Eigentlich wollten wir uns den Kaffee in unserer Thermoskanne und die Zimtschnecken, die wir für eine stärkende Rast im Gepäck haben, für später aufsparen. Aber wir können nicht widerstehen und fallen über unser süßes Picknick her.

Draußen auf dem See gleiten zwei Kanus mit gleichmäßigen Paddelschlägen über die spiegelblanke Wasseroberfläche. Irgendwann verschwinden die Boote durch die verschlungenen Wölbungen und Biegungen des Gewässers, aus unserem Sichtfeld. Es ist ganz still. Nur eine schwache Brise bringt die Blätter der Buchen hinter uns leise zum Rauschen. Das östliche Skåne, am Übergang zur Provinz Blekinge, ist eine der nördlichsten Grenzen des Buchenwaldes. Der Laubbaum wanderte nach der letzten Eiszeit mit Geschwindigkeiten von bis zu knapp 300 Metern pro Jahr quer durch Mitteleuropa nach Nordwesten.

Die Grenze zu Skandinavien enterte die Buche erstmals circa 3 000 vor Christus. In der Region um Raslången konkurriert sie nun mit der ihr ökologisch recht ähnlichen Fichte um die Vorherrschaft. Die Buche ist recht schattentolerant, nimmt vielen anderen Bäumen mit ihrer ausladenden Krone aber so viel Licht, dass diese kaum eine Chance haben zu überleben. Die Fichte ist sehr resistent gegen Klimaextreme und kommt mit Schattenmangel vergleichsweise gut zurecht. Biologen verfolgen hier mit Spannung den Fortgang des Machtkampfes zwischen Laub- und Nadelbaum. Beim Weitergehen entdecken wir einige Bibernagespuren an den Stämmen. Fast gleichzeitig huschen zwei Rehe vor uns über den Weg und überraschen Jean-Luc derartig, dass dieser einen überraschten Laut ausstößt und Justin und mich damit unfreiwillig zum Lachen bringt.

Diebische Grotte

Der Skåneleden schwenkt vom Ufer des Sees ab und wir gelangen für einige hundert Meter auf einen Schotterweg. Ins Gespräch vertieft, verpassen wir um ein Haar eine versteckte Abzweigung. Gerade noch entdeckt Justin den orangefarbenen Ring an einer Buche, die uns von der Piste weg auf einen schmalen verwachsenen Pfad lockt. »Die Straße war wohl die letzte Chance auf den Weg zurück in die Zivilisation«, schmunzelt Justin, während wir immer weiter hinein in einen verwunschenen Laub- und Nadelwald wandern.

Stämme und Steine sind in Moos gekleidet. Verwucherte Mauern aus Geröll tauchen aus dem Nichts am Wegesrand auf und wir rätseln, welchem Zweck sie wohl einmal gedient haben mögen. Irgendwo hier, im Hinterland zwischen dem See Immeln und dem See Filke, liegt auch die Diebesgrotte der in den 30er Jahren in ganz Schweden gesuchten Räuber Harald Bengtsson und Folke Johansson. Die beiden Schurken, Der bildschöne Bengtssonund Der tätowierte Johanssongenannt, hatten es vornehmlich auf Geldsafes an Bahnhöfen abgesehen, die sie sich mithilfe von Dynamit zu eigen machten und stets flink mit dem Fahrrad oder als blinde Passagiere unter einem Eisenbahnwaggon vom Tatort flohen.

Die Diebe bewohnten eine gut versteckte Steinhütte, die sie zwischen mächtigen Felsen erbaut und vornehm mit einem Herd, Betten und blumigen Plüschtapeten ausgestattet hatten. Derbildschöne Bengtssonverdankt seinen Namen einem Staatsanwalt. Als das Versteck der Banditen im Tatzenland 1934 aufflog und Harald Bengtsson gefangen genommen wurde, soll der Staatsbedienstete mit Erstaunen bemerkt haben, dass es sich bei dem ihm vorgeführten Dynamitverbrecher um einen bildschönen Jüngling mit vertrauenerweckendem Aussehen handelte.

Es duftet nach Tannennadeln und süßem Harz. Säulenartige Fichten türmen sich vor uns auf. Ihre unwirklichen Formen erinnern an mit Netzen versehene Weihnachtsbäume. »Nie hätte ich gedacht, dass das hier so aussehen könnte. Wie aus einem Fabelbuch«, sagt Jean-Luc. Schritt für Schritt wandern wir durch diese mystische Landschaft und nähern uns allmählich dem See Immeln.

Rudimente der Vergangenheit

Der Immeln ist einer der größten Seen Skånes. Während der Kreidezeit, die vor 145 Millionen Jahren begann und vor 66 Millionen Jahren endete, war Nordost-Skåne mit Wasser bedeckt. Kalkalgen und Muschelkrebse, deren Schalen und Skelette auf den Boden sanken, bildeten eine Kreideschicht. Durch plattentektonische Bewegungen der afrikanischen und der eurasischen Erdplatte wurden die Kreideablagerungen übereinander geschoben und emporgehoben. Als Überbleibsel dieser Zeit lassen sich am Ufer des Immeln noch heute kleine Kreidestücke finden. Auch Haie bevölkerten zu dieser Zeit den Trakt. Im Edre, dem Ablaufkanal zwischen dem Raslången und dem Immeln, wurden Zähne des Raubfisches entdeckt.

An dem kleinen Sandstrand von Brotorpet (dt. Brückenhütte) befindet sich das Ende unserer Wanderetappe. Wir blicken auf den Immeln hinaus. Die Wasseroberfläche ist spiegelblank. Fischadler schlagen mit ihren mächtigen Schwingen weite Kreise über dem See. »Das ist ein magischer Ort. Hier wollen wir die Nacht verbringen«, sagt Justin. Bevor wir die Heringe in den Boden schlagen, erkunden wir die Gegend um unseren für die Nacht auserkorenen Lagerplatz.

Bei Brotorpet gab es früher eine Mühle und ein Sägewerk, dessen Spuren man noch erahnen kann. Der ausladende Wald spendete Holz, das über den See verschifft wurde, um auch in anderen Teilen Skånes Verwendung zu finden. Etwas weiter am Ufer entlang entdecken wir eine gemütliche Windschutzhütte mit einer Feuerstelle, Holzscheiten und einer Wasserpumpe. Auch wenn der Windschutz verlockend scheint, entscheiden wir uns dafür, heute Nacht am Strand zu zelten.

Wir springen in den See und schwimmen weit hinaus. Es ist das Gefühl von Freiheit, das uns bei jedem Schwimmzug in dem erfrischend kühlen Gewässer mehr und mehr überkommt. Noch lange spielen wir im Wasser, versuchen, an den Grund zu tauchen, lassen uns an der Oberfläche treiben und betrachten die vorbeiziehenden Wolken. Auf den Steinen am Ufer speisen wir Sandwiches mit Käse und Tomaten. Langsam bricht die Nacht herein. Der Himmel ist klar und die Sterne zeigen sich am Himmel. Jean-Luc und ich versuchen uns gegenseitig in unserem Halbwissen über ihre Konstellationen zu übertrumpfen.

Noch lange sitzen wir hier draußen und blicken andächtig in den Himmel, in den auch Der bildschöne Bengtssoneinst schaute, unter dem gigantische Fichten immer größer wuchsen und Haie Bahnen schwommen. Für das Universum sind wir unbedeutend. Skånes Tatzenland aber, hat unseren eigenen Horizont erweitert, uns auf seinen magischen Wegen durch eine Welt vieler Zeiten geführt und ein Stück seiner Wildnis auch in uns hineingezaubert.

Wandern in Skåne

Der Skåneleden führt entlang orangefarbener Markierungen auf rund 1 000 Kilometern durch Schwedens südliche Provinz. Aufgeteilt ist der Wanderweg in die fünf Teilstrecken Kust-kustleden, Nord-sydleden, Ås-åsleden, Österlenleden und Öresundsleden, die alle ihren ganz eigenen Landschaftscharakter aufweisen und entlang der Küste, über offene Felder oder durch dichte Wälder führen. Die eigene Route kann online individuell geplant werden. Auf jeder Etappe sind Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsoptionen wie Campingplätze, Windschutzhütten, B&Bs und Hotels ausgewiesen. Die Etappe von Bökestad nach Brotorpet ist eine 13 Kilometer lange Wanderung auf dem Küste-zu-Küste-Trail.

skaneleden.se

Übernachten

In der Windschutzhütte bei Brotorpet am See Immeln mit Feuerholz, Wasserpumpe und Toilette.

Anreise

TT-Line

Mit TT-Line von Rostock und Lübeck nach Trelleborg.

ttline.com

Scandlines

Von Puttgarden nach Rødby oder Rostock nach Gedser. Anschließend weiter von Helsingør nach Helsingborg.

scandlines.de

Mehr Infos: visitskane.com

Skandinavien Guides

  • Helsinki City-Guide: Die besten Tipps

    Helsinki City-Guide: Die besten Tipps

    Wie viele andere nordische Städte besticht auch Helsinki durch seine naturnahe Lage am Wasser. NORR hat 24 Geheimtipps für die östlichste Hauptstadt des Nordens zusammengestellt.

  • Erlebnisreiche Ausflüge für den Småland-Urlaub

    Erlebnisreiche Ausflüge für den Småland-Urlaub

    Ein Ferienhausurlaub in Småland ist unvergesslich. Hier muss man nie weit fahren, um die Ruhe der Natur zu genießen. Und dann wären da noch die vielen Ausflugsziele – NORR zeigt euch die acht spannendsten Destinationen.

  • Valborg in Schweden

    Valborg in Schweden

    Jedes Jahr am 30. April ist es so weit. Es ist Valborg! Überall in Schweden trifft man sich in der Abenddämmerung zum Walpurgisfeuer.

  • Wind und Wellen: Mit den Kindern ans Meer

    Wind und Wellen: Mit den Kindern ans Meer

    Der Weg ans Wasser ist in Skandinavien nie besonders weit. Die zahlreichen Strände an Nord- und Ostsee warten nur darauf, entdeckt zu werden. NORR hat sich auf die Suche nach familienfreundlichen Wasserabenteuern am Meer gemacht. 

  • Mittsommer in Schweden: Leckereien für den längsten Tag des Jahres

    Mittsommer in Schweden: Leckereien für den längsten Tag des Jahres

    Bald feiert Schweden wieder den längsten Tag des Jahres. An Mittsommer wird aber nicht nur traditionell getanzt, sondern auch traditionell getrunken und gegessen. NORR stellt euch sieben Spezialitäten vor, die bei keinem Picknick fehlen dürfen. 

  • Odense-Guide: Insidertipps für die aufstrebende Metropole

    Odense-Guide: Insidertipps für die aufstrebende Metropole

    Ob angesagte Festivals mit Tausenden Besuchern, gemütliche, vegane Cafés in der Altstadt oder Outdoor-Hotspots mitten in der Stadt: NORR präsentiert Insidertipps für die dänische Fahrradhauptstadt Odense.

  • cafe_blå_lotus_visit_stockholm

    Kanelbulle & Co: 7 Café-Tipps in Stockholm

    Wo ließe sich die Leidenschaft der Schweden für saftige Zimtschnecken und guten Kaffee besser vereinen als in einem der vielen exzellenten Stockholmer Cafés? NORR hat sieben Favoriten zusammengestellt.

  • Die Kälte feiern – Wunderbare Wintertraditionen im Norden

    Die Kälte feiern – Wunderbare Wintertraditionen im Norden

    Traditionen, Märkte und Feste machen den nordischen Winter abwechslungsreich und lebendig. NORR hat die schönsten Wintertraditionen aus Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark und Island zusammengestellt. 

  • Göteborg entdecken: City-Tipps

    Göteborg entdecken: City-Tipps

    Göteborg ist mit mehr als einer halben Million Einwohnern Schwedens zweitgrößte Stadt. Aufgrund der Lage wird die Metropole auch als „Vorderseite“ Schwedens bezeichnet. NORR hat die besten Tipps für einen spannenden Aufenthalt im wilden Westen zusammengestellt.

  • Prev
  • Next
Alle Guides anzeigen

Grüne Outdoor-Produkte

  • Prev
  • Next
Alle Produkte anzeigen

Weiter empfehlen

Extra für NORR-Abonnenten

Hier kannst du dich für den Premium-Bereich anmelden, um alle großen NORR-Reportagen in voller Länge zu lesen. Wenn du noch keine Zugangsdaten erhalten hast, schicke bitte eine Mail mit deiner Abo-Nummer an abo@norrmagazin.de.

Abonnieren & Premium lesen