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Auf Tour in Turku

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Geschichte und Gaumenschmaus – die älteste Stadt Finnlands geht durch Kopf und Magen. NORR-Art-Direktorin Melanie Haas begibt sich auf eine kulinarische und kulturelle Reise durch Turku.

Die Sonne schaut gerade hinter dem Horizont hervor, als ich frühmorgens auf dem Deck der Fähre stehe, die langsam ihren Weg durch den Schärengarten nach Turku sucht. Verschlafen schaue ich den Inseln zu, wie sie vorbeiziehen, während mir ein frischer Morgenwind übers Gesicht streicht. Turku – beziehungsweise Åbo – ist zweisprachig: Offizielle Stellen und Straßenschilder sind immer auch auf Schwedisch beschriftet und es gibt sogar ein Theater mit Stücken nur in der Sprache des Nachbarlandes. Passend dazu empfängt mich Marianna in charmantem Finnlandschwedisch am Hafen von Turku. Die 25-Jährige ist in Finnlands ältester Stadt aufgewachsen und damit eine echte Insiderin, die mir zwei Tage lang ihre Heimat zeigen wird.

Treffen am Markt

Wir schlendern am Aurajoki entlang. Der malerische Fluss gilt als das Herz Turkus. An seinem Ufer reihen sich reizende Cafés und Restaurants, Galerien und Museen aneinander. »Varför Paris, vi har ju Åbo« (dt. »Warum Paris, wir haben ja Turku«), lese ich auf einer Postkarte – man versteht, was gemeint ist. »Turku ist die Essenshauptstadt Finnlands«, sagt Marianna. »Das gastronomische Angebot wächst enorm. Allein während des letzten halben Jahres haben zehn neue Restaurants in der Stadt eröffnet.«

Ich erfahre, dass Turku vom altrussischen Wort tǔrgǔ stammt, was so viel wie Handelsplatz bedeutet, und dass der Marktplatz, den wir gerade erreichen, das soziale Zentrum der Stadt bildet.

Von dort geht es weiter zur historischen Markthalle Kauppahalli, wo ich endlich schmecken darf, was die Essenshauptstadt zu bieten hat: lokal produzierten Käse, frischen Lachs auf süßlichem Schärengartenbrot und ein Törtchen aus einer Bäckerei, die zur besten Finnlands gekürt wurde.

Schließlich erklimmen wir den Hügel zum alten Gefängnis. »Hier hausten früher die schlimmsten Verbrecher Finnlands!«, weiß Marianna. Nun ist in den Gemäuern ein kreatives Pop-up-Restaurant namens Kakolanruusu (dt. Gefängnisrose) entstanden, in dem Zellentüren zu Tischen umfunktioniert und Graffitis mit Bilderrahmen versehen wurden.

Vielleicht ist es gerade dieser Mix aus Altem und Neuem, Kulinarischem und Kulturellem, die Turkus Selbstverständnis auf den Punkt bringt.

Wesentlich zünftiger geht es dagegen in der Panimoravintola Koulu (dt. Brauereirestaurant Schule) zu, einem traditionellen Brauhaus, das einst eine Mädchenschule war. Wir probieren uns vom hellsten Lager bis zum dunkelsten Stout und können am Ende einfach nicht entscheiden, welches Bier unser persönlicher Favorit ist.

Zeit für Kultur

Nach dem kulinarischen Marathon am ersten Tag steht der zweite im Zeichen der Kultur. Während meines Besuchs findet der Åbodagen (dt. Åbotag) statt – mit kostenlosem Eintritt zu vielen Museen der Stadt, Konzerten und anderen Events für Groß und Klein.

Ich stürze mich zunächst in Turkus Geschichte: Das Freilichtmuseum erweckt Handwerkskunst aus vergangenen Zeiten zum Leben und in der Buchdruckerei lerne ich, welche Spuren die Zensur zur Zeit der russischen Herrschaft in der Gesellschaft hinterließ.

Zum Abschluss lasse ich im Turun taidemuseo (dt. Turku Kunstmuseum) finnische Kunst verschiedener Epochen an mir vorbeiziehen – von nationalromantischen Landschaften über surrealistische Malereien bis zu Pop-Art-Werken. Als mein Schiff den Hafen in Richtung Stockholm verlässt, liegt Turku bereits im Dunkeln und verabschiedet sich durch ein Feuerwerk, mit dem das Ende des Åbotages gefeiert wird.

Nach zwei intensiven und genussreichen Tagen fühle ich mich satt und glücklich. Kiitos, Turku – ich freue mich auf den zweiten Gang.

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