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Natur des Nordens

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Einsamer Traum: Snøhetta Hütte am Åkrafjord

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In der norwegischen Provinz Hordaland hat sich der Unternehmer Osvald Bjelland seinen Traum von einer kleinen Fjellhütte aus Holz erfüllt, entworfen vom renommierten Architekurbüro Snøhetta.

Der Sommer liegt über dem Fjell zwischen dem Åkrafjord und dem Folgefonna-Gletscher in der norwegischen Provinz Hordaland. Es ist fast dreißig Grad, außergewöhnlich heiß für das auch zu dieser Jahreszeit sonst recht frische Hochland. In der steinigen grün-brauen Landschaft kämpfen letzte Schneefelder gegen die Sonne. Auf dem Bergsee, in dem sich der Sommerhimmel spiegelt, treiben noch immer ein paar vereinzelte Eisbrocken. Hier gönnt sich eine Gruppe Wanderer, inklusive norwegischem Elchhund und voll bepacktem Islandpferd, eine Abkühlung nach dem schweißtreibenden Aufstieg. Ihr Ziel liegt nur ein paar Meter weiter oberhalb des Ufers: eine kleine tropfenförmige Fjellhütte aus Holz, Naturstein und Glas, auf deren Dach eine dicke Grasmatte wuchert.

2014 hatte sich der Unternehmer Osvald Bjelland mit dem minimalistischen Gebäude an diesem abgelegenen Ort einen lang gehegten Traum erfüllt. Schon seit dem 16. Jahrhundert ist seine Familie in der Gegend um den Åkrafjord zu Hause. Schon als kleiner Junge war Osvald mit seinem Vater und seinen Onkeln hier in den Bergen unterwegs. Im Sommer brachte man die Schafe vom Hof hinauf auf die Fjellwiesen, im Herbst holte man sie wieder zurück. Und immer wurde beim anstrengenden Auf- und Abstieg genau hier am Ufer des Sees Rast gemacht. »Mein Vater stützte sich dann auf seinen Wanderstock und sagte zum mir: ›Osvald, hier bräuchten wir eine Hütte zum Bleiben‹«, erinnert sich Bjelland. »Ich war der erste in unserer Familie, der die Mittel hatte, ein solches Projekt zu realisieren. Bjellandbu ist nicht nur mein Traum, sondern auch der meines Vaters und Großvaters.«

Zimmer mit Aussicht

Die Idee des Bauherrn war eine kleine, einfache Hütte, die sich voll und ganz an die atemberaubende Natur anpasst. »Sie sollte aussehen wie jedes andere Stück Natur in der Umgebung. Als wäre sie schon immer da gewesen.« Für den Entwurf wurde das renommierte Architekturbüro Snøhetta beauftragt, aus dessen Feder unter anderem auch die signifikante Osloer Oper stammt. »Die größte Herausforderung war das extreme Klima dort oben«, erzählt Snøhetta-Partner Kjetil Thorsen, der zusammen mit Bjelland das Design entwickelte. Die Schneehöhe liegt dort oben manchmal bei bis zu acht Metern und bisweilen jagen heftige Sturmböen über das Hochland. »Die geschwungene Form der Hütte verteilt die Schneemassen optimal, eine natürliche Steinwand dient als Windschutz und dank der Glasfassade auf der Südseite wärmt sich das Gebäude von selbst auf.« Ein fest verankertes Stahlgerüst, massive Baumstämme und eine dicke Schicht aus Erde und Torf sorgen für die nötige Stabilität. 21 Personen können auf den 35 Quadratmetern übernachten. Herz des Innenraums ist die offene Feuerstelle, um die herum sich die Sitz- und Schlafplätze verteilen – mit Blick auf den See und die schier unendliche Weite.

Gebaut wurde »Bjellandbu« schließlich von Trygve Øvstebø, einem lokalen Handwerker und Tourenguide, der während der Arbeiten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in einem Tipi-Zelt auf der Fjell-Baustelle wohnte. »Seit ich fünfzehn bin, arbeite das ganze Jahr über draußen«, so Trygve. »Aber niemand hat jemals eine solche Konstruktion in einem Gebiet mit solchen Wetterbedingungen gebaut«. Gemeistert habe man es trotzdem – mithilfe guter Kenntnisse über die Region, durch die enge Zusammenarbeit mit den Architekten und nicht zuletzt dank der Präzision des Helikopter-Piloten, der alle Bauteile punktgenau vom Tal ans Ziel brachte. Trygve selber hat mit seinen handwerklichen Fähigkeiten ganz entscheidend zum Gelingen des Projekts beigetragen, auch wenn er lieber kein großes Aufheben darum macht: Jedes Holzdetail im Inneren wurde von ihm geschaffen – auf traditionelle Weise vor allem mit der Handaxt.

Trotz aller spektakulärer Schönheit bleibt Bjellandbu doch eine eher einfache Unterkunft, ohne Elektrizität, fließendes Wasser oder WLAN, nur erreichbar über einen achtzehn Kilometer langen Aufstieg. Was sagt dies über seinen vermögenden Besitzer aus, dessen Traum nicht etwa ein Versailles-Nachbau in Malibu, sondern eine winzige, abgelegene Hütte ohne jeglichen Komfort in den Bergen seiner Kindheit ist? »Ich komme hierher, weil ich das Fjell liebe«, meint Bjelland. »Ich komme hierher, weil ich mich hier zu Hause fühle und absolut abschalten kann. Und nun, da die Hütte ihren Platz in der Landschaft gefunden hat, sehe ich wie viel Respekt sie der Natur und auch meinen Vorfahren erweist. Sie alle waren bescheidene Leute.«

Weitere Beispiele für einsame Traumhäuser, fotografiert von James Silverman

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