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Natur des Nordens

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Recycelte Riesen in Kopenhagen

In den Wäldern westlich von Kopenhagen sind die Six Forgotten Giants zu Hause: Sechs Riesen aus Holzresten, geschaffen vom Recycling-Künstler Thomas Dambo. In NORR erzählt der Däne, wie er Müll zu neuem Leben erweckt und warum sich Giganten in der Natur am wohlsten fühlen.

Teddy Friendly

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Das Holz knatscht unter den Schuhen. Von der Schatzkarte geführt wandern wir durch das dänische Dickicht im Kopenhagener Vorort Vallensbæk. Dort auf der Lichtung steht er: ein Gigant aus Holz. Little Tilde schaut zwischen zwei Bäumen hervor. In seinem Bauch sind 28 Vogelhäuser untergebracht und dass Kinder auf seinen Füßen herumklettern nimmt er mit freundlicher Gleichmütigkeit hin. Der Riese ist einer der Six Forgotten Giants, sechs gewaltigen Holzskulpturen, mit denen der dänische Künstler Thomas Dambo uns an Orte mit fantastischer Natur lockt, und die zeigen, welch wahre Schätze in Materialen stecken können, die eigentlich keiner mehr braucht.

Thomas, du möchtest Menschen eine positive Erfahrung mit Recycling schenken. Warum hast du dich für Giganten entschieden, um diese Botschaft in die Welt zu tragen?

Weil sie in der Regel als Kreaturen dargestellt werden, die weit weg von den Menschen im Einklang mit der Natur leben. Es sind trotz oder wegen ihrer Größe verletzliche Wesen, die sich abseits der zivilisierten Welt am wohlsten fühlen. Dort werden sie nicht von menschlicher Technologie zerstört, sondern nur von friedlichen und neugierigen Menschen besucht.

Du und dein Team haben insgesamt sechs Riesen mit ganz eigenen Charaktereigenschaften geschaffen. Hast du einen Favoriten?

Definitiv: Teddy Friendly. Er ist nach einem meiner Volontäre benannt und durch dessen Hilfsbereitschaft inspiriert. Die Location ist einfach der Wahnsinn – ein kleines Stück komplett vergessener Wildnis in Hakkemosen. Wunderschöne Seen, ein malerisches kleines Wäldchen. Die Skulptur habe ich neben eine Strömung gebaut und einen der Arme als Brücke umfunktioniert. Der Gigant hilft so den kleinen Menschen übers Wasser – eine schöne Geschichte, finde ich.

Apropos Geschichte: Teddy Friendly und seine fünf Artgenossen präsentierst du mit einer Art Schatzsuche. Warum?

Viele Menschen glauben, sie müssten ins Flugzeug steigen, um etwas Neues zu entdecken. Doch Fakt ist, dass Viele gar nicht wissen, was sich in ihrer eigenen Stadt alles finden lässt. Indem ich die Skulpturen an Orten platziere, die normalerweise nicht aufgesucht werden, erfahren die Menschen nicht nur die Kunst, sondern auch die Natur auf dem Weg dorthin. Das gibt dem Ganzen etwas Mystisches.

Wie hast du die besonderen Orte, an denen du deine Giganten platziert hast, gefunden?

Ich habe mich auf mein Fahrrad geschwungen und nach grünen Plätzen Ausschau gehalten. Außerdem habe ich mit vielen Menschen gesprochen und hatte Hilfe von meinen Facebook-Followern. Manchmal habe ich auch einfach mit meiner Freundin auf Google Maps nach Grünflächen gesucht und dann gemeinsam mit ihr dort ein Picknick gemacht. Das würde ich übrigens jedem empfehlen.

Die hölzernen Gesellen verschmelzen mit der Natur, die sie umgibt. Wie sieht dein Designprozess aus, wenn du die richtige Location gefunden hast?

Ich starte mit dem Ort und den Materialien und lasse mich davon inspirieren. Finde ich zum Beispiel viel dunkelbraunes Holz, bekommt die Skulptur vielleicht ein dunkelbraunes Fell. Dabei versuche ich immer, den Skulpturen mehr Leben einzuhauchen, indem ich sie in ihre Umgebung integriere. So greifen sie nach großen Bäumen oder lehnen sich gegen einen Hügel.

Was motiviert dich dabei, recycelbare Materialien für deine Skulpturen zu verwenden?

Schon als Kind habe ich Baumhäuser aus altem Holz hergestellt. Da ich kein Geld hatte, sammelte ich die Materialien mit einem Einkaufswagen ein, anstatt sie mir zu kaufen. Für mich macht es keinen Sinn, Dinge wegzuwerfen, die genauso gut noch weiterverwendet werden könnten. Um genau das in den Fokus zu rücken, realisiere ich große, positive, interaktive Projekte, die Spaß bringen. Einfach um den Menschen zu zeigen, dass Recycling weit mehr als nur Müll sein kann.

In der Vergangenheit hast du Vogelhäuser oder Elefantenstatuen erschaffen. An welchen anderen Projekten arbeitest du aktuell?

Gerade habe ich auf einer Wiese in Horsens die zwei Mini-Trolle Laura und Julian geschaffen. Sie halten jeweils das Ende einer Slackline, auf der Kinder dann balancieren können. Es ist ein großer Teil meiner Arbeit, meiner Kunst eine Funktion zu geben. Manche halten eine Schaukel und andere ein Vogelhaus. Ich mag es, wenn meine Kunst lebt und die Menschen mit ihr spielen und sie anfassen können. So wie Teddy Friendly.

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