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Natur des Nordens

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Stavanger: Norwegens Mini-Metropole im Wandel

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NORR-Redakteurin Karen Hensel war mit Bloggerin Frida Ottesen in der norwegischen Metropole Stavanger unterwegs und entdeckte die industrielle Hafenstadt auf neuen Pfaden.

Frischer Pfefferminztee, Kunst und Natur sind drei Leidenschaften von Frida Ottesen aus Stavanger. Sie ist Sprecherin für die norwegische NGO »Framtiden i våre hende« (dt. die Zukunft in unseren Händen) und schreibt auf ihrem grünen Blog über fair produzierte Kleidung und einen nachhaltigen Lebensstil. Wer, wenn nicht sie, wäre ein besserer Guide auf meiner Tour durch Norwegens viertgrößte Metropole, auf der ich neben der Historie auch die neuen und alternativen Seiten der Stadt kennenlernen möchte. Frida und ich treffen uns am Hafen. »Am besten starten wir in Gamle Stavanger, der Altstadt. Aber pass auf: Da gibt es so viel zu entdecken, dass man leicht hängen bleibt«, lacht Frida. Wir streifen durch die engen Kopfsteinpflastergassen mit ihren 173 weiß gestrichenen Holzhäusern, die aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts stammen.

Buntes Kleinstadtleben

Vorbei an winzigen Ateliers und Kunsthandwerkerläden erreichen wir das Konservendosenmuseum, das in einer alten Fischdosenfabrik untergebracht ist. Die Sardinenfabriken brachten Ende des 18. Jahrhunderts den wirtschaftlichen Aufchwung in die Stadt. In der benachbarten Hütte erfährt man, wie die Arbeiter damals lebten. Wir inspizieren die niedrigen Räume mit den alten Möbeln, blättern in nostalgischen Magazinen und kosten die traditionellen Waffeln, die so schon damals auf den Küchenherden gebraten wurden.

Nachdem wir uns auf dem Bauernmarkt mit Ziegenkäse, Honig und Kräutern aus der  Region Rogaland eingedeckt haben, bummeln wir die Fargegatan hinauf, eine charmante kleine Fußgängerstraße mit knallbunt angestrichenen Häusern, in der sich Läden, Cafés und Barbiere niedergelassen haben. »Hier trifft man immer jemanden, den man kennt. Und wenn nicht, dann setzt man sich einfach irgendwo dazu. Da sind wir aus Stavanger ziemlich offen – auch wenn das auf Großstädter vielleicht etwas befremdlich wirken mag«, lacht Frida. Tatsächlich treffen wir in der bunten Straße direkt drei ihrer Freundinnen und trinken in Fridas Lieblingscafé Bøker og børst, zusammen Tee.

Alte Schätze – neue Kunst

Seit Frida 2013 im Rahmen des Projekts Sweatshop die Arbeitsbedingungen von Textilarbeitern in Kambodscha am eigenen Leib erfuhr, kämpft sie gegen die Ausbeutung in der Bekleidungsindustrie und inspiriert ihre Mitmenschen zu ethischem Handeln – unter anderem durch regelmäßige Kleidertauschaktionen im Stadtpark. Jetzt führt sie mich zum Secondhandshop Fretex in der Breigata. »Das ist hier wie auf Schatzsuche. Man weiß nie, ob, wo und was man finden wird«, sagt sie. Wir stöbern uns durch die vielen Wollpullover mit den traditionellen Norweger- Mustern und überlegen, wer diese wohl einmal beim Fischen in den Fjorden getragen haben mag. Ob an Häuserwänden oder Mauern, überall in der Stadt stoßen wir auf Straßenkunst. Der Künstler Martyn Reed gründete 2001 das Nuart Festival für Urban- und Street-Art. Jedes Jahr kommen internationale Graffiti-Künstler in die Stadt und toben sich an Stavangers Wänden aus. Im Geoparken, einem skurril-industriell anmutenden Spielplatz im Bohrinselstil, treffen wir die Jungs vom Urban Hands-Projekt, die gerade ein riesiges pinkfarbenes Einhorn an eine Mauer sprühen. Sie organisieren regelmäßig kostenlose Graffiti-Workshops für Kinder und Erwachsene.

Kreativität und Kombucha

Schließlich landen wir im Osten der Stadt, dem alten Arbeiterviertel Stavangers. Hier ist auch die Tou-Scene zu Hause, eine Künstler-Community in der ehemaligen Tou-Brauerei, die einst in das leer stehende Gebäude einzog und seitdem rund ums Jahr unterschiedliche Events organisiert. Auf dem Gelände liegt auch das Fourtou, ein beliebter Streetfood-Laden, vor dem die Einheimischen täglich Schlange stehen. Bevor Frida und ich uns verabschieden, trinken wir noch einen lokal produzierten Kombucha in Fridas Lieblingsladen Fermenten, in dem es eine riesige Auswahl an fermentierten Produkten gibt. »Stavanger ist zwar klein, aber wir stehen nie still, hinterfragen, denken um und verändern«, sagt meine Begleiterin.

Am Abend wandere ich auf einem kleinen Küstenpfad um Godalen. Ich lasse mich auf einem Felsen am Wasser nieder und blicke noch einmal auf die mächtigen Berge am Fjord. Dank Frida habe ich heute diese wandelbare Stadt näher kennengelernt, mit ihrer ganz eigenen Geschichte, die sich ständig weiterschreibt. Ich bin gespannt auf das nächste Kapitel.

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