Weiter zum Inhalt

Immer am Strand entlang

Die Strandvejen von Kopenhagen nach Helsingør ist eine der schönsten Küstenstraßen Dänemarks, auf der sich eine Sehenswürdigkeit an die andere reiht. Wir haben sie beradelt.

Die Däninnen Gitte Petersen und May-Britt Munksgaard sind gerade aus dem sonnenglänzenden Öresund gestiegen. Sie sehen so munter und fröhlich aus, wie man nur nach einem morgendlichen Bad im Frühsommer sein kann. »Wir schwimmen jeden Tag, das ganze Jahr über. Das ist die beste kostenlose Freizeitbeschäftigung der Welt. Wenn alle das tun würden, bräuchte man keine Antidepressiva mehr«, sagt May-Britt.

Weiterlesen mit NORR+

Ab 1 Euro/Monat erhältst du Zugang zu allen Artikel und exklusiven Aktionen. Jetzt registrieren und einen Monat lang kostenlos testen.


Ich treffe sie am Bellevue-Strand in Klampenborg, einer der vielen kleinen Gemeinden entlang der Strandvejen, die im Norden von Kopenhagen im Stadtteil Østerbro nahe dem Bahnhof Svanemøllen beginnt und sich von dort insgesamt 40 Kilometer gemütlich entlang der Øresundküste nach Norden bis nach Helsingør schlängelt.

Hochburg für Design

Am Tag zuvor bin ich in Kopenhagen angekommen, habe mir ein solides Fahrrad gemietet und bin in Richtung Norden losgeradelt. Zuerst durch das Viertel Østerbro, das Östermalm von Kopenhagen, und weiter durch den wohlhabenden Vorort Hellerup. Nach ein paar Minuten erreichte ich Charlottenlund, ein altes Festungsgebiet mit Strand, großen Rasenflächen, einem Kaltwasserbad und einem Strandcafé. Im Nachbardorf Skovshoved erwartete mich meine Bleibe für die Nacht: das Hotel Skovshoved, ein traditionsreiches Badehotel mit Blick auf den Sund, ländlicher Eleganz und einem preisgekrönten Restaurant. Mein Ziel für diesen Tag ist Humlebæk, das Dorf, das für alle Kunstinteressierten mit dem modernen Kunstmuseum Louisiana verknüpft ist.



Zuerst aber lege ich einen kurzen Stopp im Restaurant Jacobsen ein, das vom dänischen Stararchitekten und Designer Arne Jacobsen entworfen wurde. Hier sitzt man auf den von ihm designten klassischen Sjuan-Stühlen und isst mit Arne-Jacobsen-Besteck, das als so zeitlos galt, dass es in dem Filmklassiker 2001 – Odyssee im Weltraum verwendet wurde. Nach dem Abendessen kann man sich in einen Ægget-Fåtölj-Sessel sinken lassen und in einem Bildband über die dänische Designikone blättern.

Neben dem Restaurant liegt Bellavista, eine niedrige Wohnsiedlung aus den 1930er Jahren. Es war eines der ersten und größten Projekte von Arne Jacobsen. Der wohlhabende Kopenhagener Vorort Klampenborg ist eine von den höchsten Erhebungen entlang der Strandvejen, die in den 1930er Jahren angelegt wurde, um allen Verkehrsteilnehmern die Anfahrt nach Kopenhagen aus den alten Fischerdörfern entlang der Küste zu erleichtern. Tatsächlich fühlt sich die gesamte Strecke wie eine einzige lange Sehenswürdigkeit an – zumindest, wenn man sich auch nur ein wenig für Architektur oder Gärten interessiert. Die Strandvejen gilt als eine der begehrtesten Adressen Dänemarks und wird von weißen Kubusbauten, pompösen Kaufmannsvillen und niedrigen Fachwerkhäusern gesäumt. Jedes Haus scheint einen Namen zu haben: Strandhaven, Vidablikk, Villa Capri, Acacia und Belvedere – eines neben dem anderen. Dazu kommen private Badestege und gepflegte Rosengärten

Von Hafen zu Hafen

Die breiten Radwege sind stets flach und es ist nie weit bis zur nächsten Fischbude oder Eisdiele. Außerdem verläuft der Weg für Radelnde oft parallel zu den dänischen S-Bahnen, sodass man mit dem Fahrrad einsteigen und ein paar Stationen fahren kann, wenn man keine Lust mehr zum Strampeln hat. Aber ich trete weiter in die Pedale. In Rungsted parke ich mein Stahlross im Hafen. Der Kai ist gesäumt von Segelbooten, Restaurants im Newport-Stil und Damen mit großen Hüten, die Wein trinken.

Die Strecke fühlt sich wie eine einzige Sehenswürdigkeit an.


Ich radle weiter zum Fiskerikajen, dem einfachsten Lokal des Hafens. Hier esse ich hausgemachte Fischfrikadellen, serviert mit Remoulade, Salat und dänischem Roggenbrot. In dem kleinen Laden werden Lachs aus der eigenen Räucherei, Krabben und Austern verkauft. »Wir haben Kunden, die extra aus Kopenhagen und Skåne kommen, um unseren Fisch zu kaufen«, sagt Robert Mani, der hinter der Fischtheke steht.

Hinter Rungsted wird die Bebauung spärlicher. Die Millionärsvillen und der Rosenduft sind Pferdekoppeln und Kuhfladen gewichen. Aber die Fischerdörfer liegen dicht beieinander, und bald bin ich in Nivå. Ich esse ein Eis auf dem Bootssteg im ruhigen kleinen Yachthafen, bevor ich weiter nach Sletten radle, dem alten Hafen von Humlebæk. Hier befindet sich eines der besten Restaurants der Gegend, das Restaurant Sletten. Restaurantchef Dion Liljegren erzählt, dass die dänischen Royals hier regelmäßig essen. »Und der Schauspieler Pierce Brosnan war vor ein paar Wochen hier.«

Angekommen in Helsingør erwartet mich das Schloss Kronborg – eine Festung aus dem 15. Jahrhundert, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und Schauplatz von Shakespeares Hamlet ist. Nicht weit davon entfernt liegt das spektakuläre Schifffahrtsmuseum der Stadt, das 2013 eröffnet wurde. Zusammen mit dem benachbarten Kulturværftet, dem neuen Kulturhaus der Stadt, bildet es den Kulturhavn Kronborg – ein neues Kulturzentrum in der alten Trockendockanlage von Helsingør.

Dänische Kindheitserinnerungen

Nördlich der Stadt liegt Marienlyst, eines der größten und ältesten Badehotels Dänemarks. Es hatte seine Blütezeit zu Beginn des letzten Jahrhunderts und war in den 70er-Jahren ein beliebtes Reiseziel für Südschweden. »Damals pilgerten die Schweden in Scharen hierher. Marienlyst war ein klassischer Sonntagsausflug, wo man hingefahren ist, um zu essen und die Aussicht zu genießen«, erzählt Paul aus Skåne, der hier in der Bar arbeitet und sich daran erinnert, wie er als Kind mit seinen Eltern hierher gefahren ist.

Im Laufe des 21. Jahrhunderts aber geriet das Hotel ins Straucheln, und vor ein paar Jahren drohte ihm sogar die Insolvenz. Doch im vergangenen Jahr wurde es von neuen Eigentümern übernommen, die eine umfassende Renovierung begonnen haben, um das klassische Badehotel wieder zum Blühen zu bringen. Die neue Brasserie des Anwesens ist bereits fertiggestellt. Sie ist im französischen Bistro-Stil eingerichtet – mit gekachelten Wänden, offener Küche und raumhohen Fenstern mit Blick auf den Öresund. Auch die Speisekarte ist französisch inspiriert. Hier werden beispielsweise Fisch mit Beurre Blanc, reife Käsesorten und Crème Brûlée serviert. Als ich mich an den gedeckten Tisch setze, denke ich, dass das doch der perfekte kulinarische Abschluss für einen Trip entlang der prachtvollen Strandvejen ist.

Mehr für dich