NORR AUSZEIT Eisiger Höhepunkt

DIASHOW STARTEN

Hoch hinaus
auf den Halti

 

 

Die Landschaft ist menschenleer.

 

 

Im nordfinnischen Wildnisgebiet Käsivarsi liegt der Halti, der höchste Punkt des Landes.
Christian Kneise hat ihn bestiegen.

 

 

Ein Abenteuer zwischen atemberaubenden Nordlichtern und sehr, sehr frischen Toiletten…

Einsamkeit erleben:

Belohnung am Gipfel: Wandern in Nordnorwegen

Belohnung am Gipfel: Wandern in Nordnorwegen

Text und Foto: Laura Vranos

Mehr als hundert liebevolle Bewerbungen erreichten die NORR-Redaktion, als wir eine Reporterin für die Highländer-Wanderreise nach Nordnorwegen suchten. Schließlich fiel die Wahl auf Laura Vranos. Ihr Bericht von einer unvergesslichen Tour.

»Lust ein Experiment?«, fragt Tine, während wir auf den Bus warten. »Wandert ihr mit mir einen Weg, den ich noch nicht kenne? «Sie legt eine Karte des Møysalen-Nationalparks auf den Tisch und zeigt uns die Route, die sie sich für heute vorstellt. Wir versammeln uns um sie herum und folgen ihrem Finger über die zahlreichen Höhenlinien rund um den höchsten Berg der Vesterålen-Inseln.

Tine ist erfahrene Reiseleiterin bei Highländer Reisen und führt uns seit sechs Tagen sicher durch die wundervolle nordnorwegische Küstenlandschaft. Doch diese letzte Wanderung verspricht noch mal ein richtiges Abenteuer. Wie genial ist das?! Nach zweistündiger Fahrt stoppt der Bus mitten auf derStraße im Nirgendwo. Alle aussteigen. Ein unscheinbares Schild deutet den Wanderweg an. »Umerket« steht darauf, unmarkiert. Verlaufen nicht ausgeschlossen. Total spannend und aufregend.

Tine ist zuversichtlich, bisher hat sie immer zurückgefunden. Zum Beweis steht sie vor uns und lacht. Die Wanderschuhe fest geschnürt, laufen wir im Gänsemarsch den fußbreiten Trampelpfad bergauf. An einer Kreuzung orientiert sich Tine neu. Sie ist sich sicher, dass wir hier nach links müssen. Echt jetzt? Ich bin abwechselnd nervös und fasziniert. Und froh, in der Gruppe zu wandern. Wir sind ein lustiger Haufen von Wanderanfängern bis zu Wanderprofis. Zehn Personen zwischen zehn und siebenundsechzig Jahren.

Der rechte Weg

Nach einer Weile stoppen wir am Fuß des Kvitnesheia. Das ist der Hügel, auf den wir wollen. Allerdings müssten wir dafür ein wegloses Moorgebiet überqueren. Planänderung. Wir sind flexibel und lassen das Moor links liegen. Keine fünf Minuten später stehen wir mitten im norwegischen  Dschungel. Wo ist denn der Weg hin? Wir suchen Spuren, die uns verraten, dass hier schon mal jemand vor uns war, klettern über Stock und Stein oder drumherum. Ein Wald, aus dem Trollmärchen gemacht sind. Moose, Gräser und Farne in verschiedenen Grünt.nen geben unter unseren Füssen nach und stellen Wanderschuhe auf die Probe. Die kurz geratenen Birken versperren die Sicht auf das, was noch kommt. Sind wir richtig?  Und dann, wie aus dem Nichts, purzeln wir auf einen breiten Weg. Erleichterung, und doch schon fast langweilig.

Wir folgen dem Weg zu einer kleinen Fischerhütte am Svartvatnet, dem schwarzen See. Auf der Holzveranda genießen wir Essen, Aussicht und gute Luft.

Nordnorwegen-Nostalgie

Frisch gestärkt nehmen wir den Hügel vor uns ins Visier, den Hennesheia. Auf dem direkten Weg, den es nicht  gibt. Die Flussüberquerung ist inklusive: Sei es über zwei nicht sonderlich vertrauenserweckende Baumstämme oder durch beherzte Sprünge über Steine, niemand wird nass. Tine hat uns in den vergangenen Tagen in die vielfältige Flora und Fauna Norwegens eingeführt und so verliere ich am letzten Tag meine Scheu und esse die Blaubeeren, die hier knapp über dem Boden zu finden sind. Frisch gewaschen vom Regen am Vorabend.

Die Nascherei zwischendurch tut gut, denn der Gipfel wirkt näher als er ist. Und jeder Schritt erinnert uns an die Aktivitäten der letzten Tage: an die über tausend Natursteinstufen, über die wir Tromsøs Hausberg Fløya bestiegen, und die sommerliche Schneeballschlacht auf dem Gipfel Bønntuva, den wir – ehrgeizig und fit wie wir anfangs waren – spontan noch mitnahmen. An den Blick vom Sukkertoppen nahe Senja auf die wunderschöne Seenlandschaft, diese Karibik Norwegens mit ihrer Ansammlung von kleinen Inseln im türkisblauen Meer, in der eine Handvoll Teilnehmer später noch ein Bad wagte. An die Walsafari bei Andenes, bei der wir die Tauchgänge eines Pottwals vor einer traumhaften Abendkulisse bewundern durften. Oder an die Küstenwanderung von Stave nach Bleik über den Måtinden, von dem wir auf einsame Buchten und atlantische Sandstrände blickten, vor uns die Vogelinsel Bleiksøya in der Weite des Ozeans. Die Auf- und Abstiege waren oft steil und schweißtreibend, aber die Schönheit der Natur entschädigt einfach für alles.

Eins mit der Natur

So ist es auch hier auf dem Hennesheia. Wir blicken auf den Raftsund, der die Vesterålen von den Lofoten trennt. Aus der Ferne bestaunen wir die spitzen Hügel der Lofoten. Und wie an den Tagen zuvor ist uns das Wetter wohlgesonnen und die Sonne kämpft sich im richtigen Moment durch die Wolkendecke. Dieses Panorama macht Lust auf mehr und der Abstieg fällt nicht nur körperlich schwer. Aber die Natur meint es gut und versüsst ihn uns mit reifen Molte- und Blaubeeren. Und mit jeder Beere, die in meinen Mund wandert, wächst mein Gefühl, eins mit der Natur zu sein.

 

Willst du selbst ein Abenteuer in Nordnorwegen erleben und mit Highländer durch die beeindruckende Küstenlandschaft wandern? Hier geht es zur Reise.

NORR-Reisereporterin

Laura Vranos, 35 Jahre und aus Stuttgart, ist Ingenieurin, Lichtspielerin und Superhelden-Fan mit einer riesengroßen Leidenschaft für den Norden.

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