Alles von Zauberhand
Nach 15 Jahren Huskyhof in Norddeutschland sind Norbert und Julia Kranz mit ihren beiden Kindern, 42 Schlittenhunden und sieben Islandpferden nach Nordschweden ausgewandert.
Wie seid ihr dazu gekommen, nach Schweden auszuwandern?
Im Laufe der letzten 15 Jahre unseres Gästebetriebs in Norddeutschland – ein echtes Herzensprojekt, das eng mit unserem gemeinnützigen Tierschutzprojekt für Schlittenhunde verbunden war – hat sich unser Alltag zunehmend durch den Klimawandel verändert. Immer häufiger mussten wir Touren absagen, immer seltener herrschten optimale Bedingungen für unsere Hunde. Irgendwann wurde uns klar: Wir müssen eine Entscheidung treffen. Zunächst bauten wir einen zweiten Standort im schwedischen Ljungdalen auf – ein Ort, der uns von Anfang an tief berührt hat und unseren Hunden ideale Bedingungen bot. Doch der Hauptstandort in Deutschland wurde zunehmend untragbar. Die Vorstellung, Deutschland zu verlassen, war zwar organisatorisch beängstigend – die Idee hingegen, unser Leben mit unseren Schlittenhunden aufzugeben, war schlicht undenkbar. Also folgten wir unserem Herzen. Am Ende fühlte sich unsere Auswanderung eher wie der natürliche nächste Schritt auf unserem Weg an.
Wie habt ihr euren Hof gefunden?
Eigentlich könnte man denken, dass es bei all den Voraussetzungen, die wir für unseren Betrieb und damit für die Haltung unserer Hunde und Pferde brauchen, unglaublich schwierig sein müsste, etwas Passendes zu finden. Und vermutlich wäre das auch so gewesen – hätten wir uns aktiv auf die Suche gemacht. Doch bei uns war es fast umgekehrt: Es fühlte sich an, als hätte der Hof uns gefunden. Alles fügte sich wie von Zauberhand – daher auch unser Firmenname Taikuri, Finnisch für Zauberer – und es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Die Lage war perfekt, genau so, wie wir es uns immer gewünscht hatten. Und als wäre das nicht schon genug, gab es als Bonus noch dieses kleine, wundervolle Bergdörfchen – und seine herzlichen Bewohner gleich mit dazu.
Wie herausfordernd war es für euch, in Schweden Fuß zu fassen?
Überhaupt nicht. Wir hatten schon viele Jahre zuvor viel Zeit in unserem Ferienhaus in Ljungdalen verbracht. Als wir schließlich ganz hierherzogen, fühlte es sich eher an wie ein Nachhausekommen. Die Menschen hier in Bakvattnet – alle zehn Dorfbewohner – haben uns mit offenen Armen empfangen. Sätze wie »Ihr seid unsere Zukunft« haben uns tief berührt und bestärkt. Einen neuen Betrieb aufzubauen war jedoch eine riesige Herausforderung. Vor allem, weil wir von Anfang an die vollen Kosten für unsere Tiere und unseren Lebensunterhalt tragen mussten – ohne zunächst Einnahmen zu haben. Unsere finanziellen Reserven waren schneller aufgebraucht als geplant. Gleichzeitig mussten wir unzählige praktische Fragen klären: Wo bekommen wir Hundefutter und Heu her? Wo sind die nächsten Tierärzte? Wer holt den Mist ab? Und wer kann unsere Pferde beschlagen? Wir mussten im Eiltempo Kontakte knüpfen und uns ein neues Netzwerk aufbauen. Parallel entstand unser neuer Gästebetrieb: eine Website, neue Fotos und Videos, ein komplett neues Programm. Wir mussten die Umgebung kennenlernen und Kooperationspartner finden. Auch im Umgang mit den Behörden war Geduld gefragt – bis alles genehmigt war und wir offiziell eröffnen konnten, brauchte es Zeit und Nerven. In den letzten zwei Jahren liefen wir auf Hochtouren – aber mit dem Ziel vor Augen und dem Glauben an das, was wir tun, haben wir es geschafft.
Wie fühlt es sich jetzt an, euren Hof in Bakvattnet zu haben?
Es fühlt sich an, als hätte es genau so sein müssen – als hätte der Hof all die Jahre nur auf den richtigen Moment gewartet, dass wir uns begegnen. Hier sind wir zu Hause: ein Ort, an dem wir unseren Tieren ein artgerechtes Leben ermöglichen können. Eine Freundin sagte: »Gut, dass kaum jemand Bakvattnet kennt – sonst wären alle hier.« Wahrscheinlich hat sie recht. Die Natur ist atemberaubend. Mit den Bergen vor der Haustür, dem See und den Rentierherden rund um das Dorf, sind wir mitten in einer Landschaft, die jeden Tag anders aussieht und uns auch nach zwei Jahren immer wieder staunen lässt. Im Sommer sind wir mit den Pferden unterwegs, im Winter fahren wir mit dem Hundeschlitten an die norwegische Grenze. Das hätten wir vor einigen Jahren nicht einmal zu träumen gewagt – heute ist es unser Alltag.
Was sind die größten Vorteile daran, in Nordschweden zu leben?
Ganz klar: der Winter – mit den perfekten Bedingungen für unsere Schlittenhundetouren. Aber auch die Gelassenheit der Menschen, ihre Lebenseinstellung und ihre unglaubliche Hilfsbereitschaft. Die unberührte Natur mit all ihren Tieren. Und vor allem die enorme Weite, die uns unzählige Möglichkeiten für unsere Gästeangebote eröffnet. In unserem Alltag ergeben alle Arbeiten einen direkten Sinn, alles ist so greifbar, drängt sich logisch auf und ist unmittelbar mit dem Leben verbunden. Das macht uns zufrieden, auch wenn es oftmals kein leichtes Leben ist.
Könntet ihr euch vorstellen, wieder nach Deutschland zurückzugehen?
Auf keinen Fall. Deutschland hat schon vor einigen Jahren nicht mehr zu unserem Lebensentwurf gepasst. Nachdem wir uns hier in Schweden alles aufgebaut haben, ist es schlicht undenkbar, das je wieder aufzugeben. Wir finden hier alles, was wir für unser Leben brauchen – und noch viel mehr.
Mehr Infos gibt es auf taikuri-adventures.com und folgt Julia und Norbert auf Instagram: @taikuri.adventures.