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Gärtnern zu Mitternacht

NORR-Leserin Katharina Herrmann folgt ihrer Sehnsucht nach Nordnorwegen und packt bei einem »Workaway« auf der Insel Engeløya tatkräftig auf einer nachhaltigen Farm mit an.

Wie bist du auf die Idee gekommen, auf einer Farm in Norwegen mitzuhelfen?
Seit meiner Schulzeit habe ich eine große Passion für Skandinavien. Allerdings war ich zu viele Jahre nicht mehr in Norwegen und habe immer wieder voller Sehnsucht an die Farben, das Licht und die Weite des Nordens gedacht. Reisen fühlt sich für mich richtig an, wenn ich langsam und nachhaltig unterwegs bin. Kein Sightseeing-Stress, weniger Abhaken, länger an einem Ort verweilen und in den Alltag der Menschen eintauchen. Deshalb habe ich mich für ein »Workaway« entschieden, also Urlaub in Verbindung mit einem Arbeitseinsatz gegen Kost und Logis. Dadurch habe ich auch viel weniger Geld ausgegeben als auf einer klassischen Reise.

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Wie hast du deinen Job gefunden?
Ich bin auf der Plattform »Workaway« angemeldet, weil ich das Prinzip dahinter sehr gut finde, in den Alltag von Menschen in anderen Ländern und Kulturen einzutauchen und zugleich kostengünstig um die Welt zu reisen. Ich habe dann gezielt nach einem Job in Nordnorwegen gesucht. Ich wollte gern etwas mit den Händen machen und möglichst viel draußen arbeiten. Der Profileintrag zum Projekt auf Engeløya war sehr ausführlich, sodass ich mir eine recht genaue Vorstellung machen konnte. Daraufhin habe ich ein Motivationsschreiben verfasst. Die Antwort kam prompt und so hatte ich schon bald einen Videocall mit meiner zukünftigen Gastgeberin Eva.

Wie bist du angereist?
Der Gedanke, einmal die Strecke von meinem Zuhause (zu dem Zeitpunkt noch in Berlin) bis zum Polarkreis bzw. darüber hinaus komplett mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen, spukte schon länger in meinem Kopf herum. So setzte ich ihn in die Tat um. Nach 2000 Kilometern und fünf Tagen quer durch Skandinavien bin ich Mitte Juni auf der Insel Engeløya gelandet. Für die letzten 10 Kilometer bin ich von Eva mit dem Auto abgeholt worden.

Was waren deine täglichen Aufgaben?
Wir drei Workawayer haben uns um den großzügigen Garten unserer Gastgeberin gekümmert. Wir haben die Beete vorbereitet, umgegraben, das Saatgut eingebracht, gepflanzt – und sehr viel gejätet. Außerdem haben wir uns um das Gewächshaus gekümmert und einen großen Steingarten angelegt. Dafür haben wir regelrechte Hinkelsteine bewegt. Es gab auch einen süßen Hund, eine etwas eigenwillige Katze und Hühner, die wir betreut haben. Mit dem Hund waren wir dann oft gegen Mitternacht noch spazieren, denn es ist um diese Zeit hoch oben im Norden ja taghell. Auf dem Grundstück war außerdem ein Airbnb, um das wir uns gekümmert haben. Zudem haben wir reihum Mittag- und Abendessen für alle gekocht. Unsere Gastgeberin Eva lebt Nachhaltigkeit auf vielen Ebenen. Frisches saisonales Gemüse aus dem Garten spielte dabei eine große Rolle. Allerdings ist die Ausbeute in einem nordnorwegischen Garten im Juni eher überschaubar, sodass hauptsächlich Brennnesseln und viele Eier der Hofhühner auf unserem Speiseplan standen. Auch haben wir oft Brennnesselquiche oder -Pasta gegessen.

Wie leicht war es für dich, mit Locals in Kontakt zu kommen?
In Kontakt zu kommen, war wirklich sehr leicht. Das lag auch daran, dass Eva unglaublich gut vernetzt war. Davon haben wir Workawayer einfach sehr profitiert. Eva hat uns immer gefragt, ob wir mitkommen wollen, wenn sie jemanden besuchen wollte, etwas erledigen musste oder eine besondere Aktivität wie ein Konzert- oder Museumsbesuch anstand. So bin ich bei verschiedenen Gelegenheiten mit sehr liebenswürdigen und herzlichen Menschen aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis ins Gespräch gekommen – und habe einen kleinen Einblick in deren Alltag bekommen.

Was waren deine größten Herausforderungen?
Insbesondere, dass ich mich in kürzester Zeit an einen intensiven Arbeitsalltag mit mir völlig fremden Menschen, mit denen ich ja auch zusammenwohnte, gewöhnen musste. Meine letzten WG-Erfahrungen liegen etwa 20 Jahre zurück. Allerdings war das Haus sehr groß, sodass ich mein eigenes Zimmer hatte. Es gab auch Situationen oder Erlebnisse, in denen ich mir gewünscht hätte, einen vertrauten Menschen an meiner Seite zu haben, mit dem ich das Erlebte, meine Gedanken und Gefühle in meiner Muttersprache teilen kann. Aber ich hatte wie auch bei meinen anderen Reisen ein Reisetagebuch dabei, das dann diese Rolle erfüllt hat.

Was waren deine schönsten Momente?
Es gab sehr viele Momente, die mich sehr berührt haben. Da waren auch einige von dieser Sorte dabei, bei denen man bereits in dem Augenblick, in dem man sie erlebt, weiß, dass sie sich ganz tief in die Seele einbrennen werden. Beim Aufstehen oder auch während der Arbeit im Garten habe ich immer wieder ganz bewusst innegehalten und das Drumherum genossen. Denn egal, wo ich war, ich war immer von einer traumschönen Naturkulisse umgeben: von majestätischen Bergen, weiten Wäldern, und auch das Meeresufer war nie weit entfernt. Einer der Höhepunkte meiner Reise war zweifellos eine Mitternachtssonnenparty am Strand. Da trafen sich einfach spontan Inselbewohner aller Altersgruppen, um diese Zeit, in der die Sonne nicht mehr untergeht, mit einem Picknick, guten Gesprächen und Musik zu feiern. Unvergessen bleibt für mich auch ein spätabendlicher Saunabesuch im Nachbarort. Aus der kleinen Sauna, die direkt am Strand lag, konnte man auf den kleinen Fjord schauen. Zwischen den Saunagängen sind wir auch kurz in das Wasser gesprungen, das nur wenige Grad über Null hatte.

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