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Lava, Eis und Weite

Abseits der Touristenrouten reist NORR-Leser David Goldberg durch Island und erlebt im Hochland sowie entlang rauer Küsten besondere Begegnungen mit Natur und Menschen.

Endlich ist alles gepackt. Vier Wochen wollen mein Kumpel Stefan und ich unterwegs sein, drei davon auf Island. Für mich ist es die erste Reise mit meinem eigenen Auto auf die Insel nahe dem Polarkreis. Stefan hat noch eine Tagestour vor sich, bevor er in meiner Heimatstadt in Schleswig-Holstein eintrifft. Am späten Nachmittag geht es von hier aus gemeinsam weiter. Wir haben nur die erste Unterkunft nach dem Anlegen der Fähre gebucht, alles Weitere wollen wir spontan entscheiden. So bleiben wir flexibel.

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Drei Tage dauert die Überfahrt mit der Fähre »MS Norröna« ab Hirtshals, inklusive eines mehrstündigen Stopps in Tórshavn auf den Färöer-Inseln. Dann wird es ernst. Der Aufruf ertönt, alle sollen sich zu den Fahrzeugen begeben. Reihe für Reihe verlassen wir den Bauch des Schiffes.

Ausblick auf Gletscherzungen

Der kleine Hafenort Seyðisfjörður füllt sich mit Leben. Überall wimmelt es an Campern, Geländewagen und Lastern, die neue Lebensmittel entgegennehmen. Stefan und ich sortieren unsere Ausrüstung und machen uns auf den Weg. Unser erstes Tagesziel ist die rund 30 Kilometer entfernte Kleinstadt Egilsstaðir.

Die Strecke führt uns über einen Bergpass, dichter Regen begleitet uns. In der Ferne zeichnen sich verschneite Gipfel ab. Nach wenigen Minuten wird aus Regen Hagel, schließlich leichter Schneefall. Die Sicht ist extrem eingeschränkt. Die Landschaft liegt unter einer weißen Decke. Hinter dem Pass öffnet sich der Blick auf den See Lagarfljót, der sich schmal durch das Tal zieht.

Nachdem wir Egilsstaðir einen kurzen Besuch abgestattet haben, lassen wir das hektische Treiben schnell hinter uns und folgen der Ringstraße Richtung Süden. Während im Nordosten immer mehr Wege wegen der Schneefront gesperrt werden, sind wir froh, diese Route gewählt zu haben. Die Südostküste schlängelt sich am Nordatlantik entlang. Kleine Ortschaften reihen sich aneinander, immer mit Blick auf die teils raue See.

Anfangs halten wir oft an. Dann nimmt der Wind zu, zeitweise so stark, dass wir uns fast dagegenlehnen können. Nach einer langen Autofahrt machen wir Mittagspause an einem Aussichtspunkt. Immer wieder tauchen in der Ferne Ausläufer des Gletschers Vatnajökull auf. Kurz hinter der Kleinstadt Höfn im Südosten Islands erreichen wir unsere Unterkunft. Der Blick aus dem Zimmer auf den Gletscher Heinabergsjökull und zwei weitere eisige Gletscherzungen macht die anstrengende Fahrt wett. Am Abend gönne ich mir das Nationalgericht »Kjötsúpa«, einen Lammeintopf.

Unterwegs auf dem Mond

Stefan und ich haben mehrere Fahrten ins Hochland geplant. Die sogenannten F-Straßen, Hochlandpisten, die durch das unerschlossene Inselinnere Islands führen, sind bereits abenteuerlich genug. Abseits davon zu fahren ist untersagt, denn Reifenspuren bleiben hier über Jahrzehnte sichtbar. Rücksicht auf die Landschaft ist unerlässlich.

Die F206 ist die erste Hochlandstraße, auf der wir unterwegs sind. Sie führt direkt an die Laki-Vulkankrater, eine etwa 25 Kilometer lange Reihe von rund 130 Kratern im Süden Islands. Auf dem Plateau breitet sich eine schier endlose Mondlandschaft aus: schwarzes Lavagestein, überzogen von einem grünen Saum.

Wir müssen mehrere Flüsse durchqueren und sprechen mit anderen Reisenden, beobachten und gehen im Zweifel zu Fuß ins Wasser. Vorsicht ist besser als Stillstand. Im Westen der Insel erkunden wir weitere Hochlandstraßen. Zeitweise sind wir die Einzigen weit und breit. Während einer Fotopause treffen wir den Reisefotografen Heiko Rüter aus Halle, der schon länger auf Island unterwegs ist und uns wertvolle Informationen für die weitere Reise gibt.

Doch was wäre Island ohne Wasserfälle und Geothermalquellen? Im Westen und Norden kommen wir aus dem Staunen kaum noch heraus. Verschlungene Wasserfälle ziehen sich über hunderte Meter durch die Landschaft. Überall dampft, blubbert und zischt es. Bei Kraterwanderungen muss man einiges an Höhenmetern zurücklegen, aber man wird jedes Mal belohnt. Den Ausbruch auf der Halbinsel Reykjanes nahe Grindavík lassen wir bewusst außen vor – wir wollen nicht Teil des Vulkantourismus sein.

Immer freundliche Locals

Das Wetter bleibt rau. Wir folgen einer schmalen Straße entlang der Küste. Treibholz liegt überall, das größtenteils aus Sibirien kommt, wie uns die Einheimischen erklären.

Die rohe Kulisse gefällt mir. Sie hat etwas Surreales an sich. Untergebracht sind wir meist in familiengeführten Gästehäusern abseits der Hauptstraßen. Immer wieder kommen wir mit Locals in Kontakt. Oft werden wir gefragt, woher wir kommen und wohin wir wollen. Bei schlechteren Straßenverhältnissen werden uns Alternativrouten vorgeschlagen – ein Austausch mit den Einheimischen, der unterwegs sehr wertvoll ist.

Die Isländer haben uns jederzeit herzlich empfangen und waren immer interessiert an unseren Erlebnissen. Der Roadtrip ist zu einem unvergesslichen Abenteuer geworden. Ich werde auf jeden Fall wieder nach Island zurückkehren, um weitere Hochlandstraßen und auch die Westfjorde zu erkunden.

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