Volunteering an der südlichen Spitze Grönlands
NORR-Mitarbeiterin Philippa Stark hat sich einen Traum erfüllt und in Südgrönland in einem Sommercamp grönländische Kinder betreut.
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Wie bist du auf die Idee gekommen, in Grönland zu arbeiten?
Seit meinem Umzug nach Dänemark ist Grönland für mich, als Teil des dänischen Königreich, plötzlich ganz nah. Es taucht im Alltag auf – in den Nachrichten, im grönländischen Kulturhaus in Kopenhagen, bei nordatlantischen Filmtagen. Für mich kam dadurch dieser Wunsch auf, einmal selbst nach Grönland zu reisen. Auf der Suche nach Möglichkeiten, nicht nur als Urlauberin unterwegs zu sein, sondern noch tiefer in die Kultur des Landes eintauchen zu können, bin ich schließlich auf die Stiftung Grønlandske Børn gestoßen, die Volunteer-Aufenthalte in Grönland organisiert.
Wie bist du Teil des Projektes geworden?
Es ging erstaunlich schnell. Eine Mail, ein Video-Call – und dann passte einfach alles. Für das Sommercamp in Südgrönland, wo ich unbedingt hinwollte, wurde noch genau eine Person gesucht. Und ich bekam den Platz. Parallel gab es ein weiteres Camp in Westgrönland.
Benötigt man bestimmte Kompetenzen, um dabei zu sein?
Wichtig ist vor allem Freude am Umgang mit Kindern und Englisch – das ist die gemeinsame Sprache im Team. Die Altersgrenze lag bei 18 bis 60 Jahren, wobei die meisten Teilnehmenden in ihren 20ern und 30ern waren. Etwa die Hälfte kam aus Dänemark, die andere aus verschiedenen europäischen Ländern. Die Stiftung kümmerte sich um alles Organisatorische – Flüge, Unterkunft, Planung. Ein kleiner Eigenanteil war von uns Teilnehmenden zu tragen.
Wie ging es dann los?
Die Reise begann in Kopenhagen – allerdings zwei Tage später als geplant. Das Wetter in Grönland ließ zunächst keine Landung zu. Das ist dort nichts Ungewöhnliches. Schließlich ging es per Direktflug nach Narsaq im Süden Grönlands, und von dort weiter mit dem Helikopter auf die Insel, auf der Nanortalik liegt. Dort, in einem kleinen Reihenhaus, bezogen wir unser Zuhause für die kommenden Wochen und versorgten uns selbst.
Was waren deine täglichen Arbeiten?
Unsere Tage folgten einem ruhigen Rhythmus. Morgens gemeinsames Frühstück, Planung und Vorbereitung der Aktivitäten. Mittags füllte sich die Schule mit Kindern aus der ganzen Stadt. Wir boten Programm draußen auf dem wunderschön gelegenen Fußballfeld oder drinnen – basteln, malen, spielen. Am Nachmittag gab es einen Snack, danach weitere gemeinsame Aktivitäten. Ich war besonders häufig draußen zu finden. Der Ausblick beim Kicken war einfach unbeschreiblich schön.
Welche Herausforderungen haben sich während deines Aufenthaltes aufgetan?
Die grösste Herausforderung war wohl die Sprache. Jüngere Kinder sprechen oft ausschließlich Grönländisch, die etwas Älteren ein bisschen Schul-Dänisch, die Größeren dann auch Englisch. Zwei lokale Teammitglieder unterstützten uns – besonders in Momenten, in denen Gesten nicht mehr ausreichten. Gerade bei kleinen Konflikten war das unbezahlbar.
Auf wie lange ist die Volunteer-Arbeit insgesamt ausgelegt?
Fast zwei Wochen lang lief das Sommercamp – und bis zum letzten Tag kamen die Kinder mit derselben Energie angerannt. Für viele war es eine willkommene Abwechslung von einem Alltag, der oft wenig Struktur bietet und in dem die Kinder häufig sich selbst überlassen sind.
Was war dein allerschönstes Erlebnis?
Der komplette Aufenthalt war ein Erlebnis! Die Menschen begegneten uns mit großer Herzlichkeit. Wir wurden eingeladen, tranken einen in der Bergen selbstgepflückten Kräutertee oder wurden typisch grönländisch bekocht und lernten dabei viel über die Kultur des Landes.
Und dann diese Landschaft: bunte Holzhäuser, eingebettet in raue Natur, umgeben von Wasser und Eisbergen. Zwei Ausflüge am freien Wochenende sind mir besonders in Erinnerung geblieben: eine Wanderung in den Tasiusaq-Fjord und eine Bootsfahrt vorbei an Eisbergen zu den heißen Quellen von Uunartoq – für mich absolut unvergesslich.
Würdest du wiederkommen?
In Dänemark sagt man oft: »Wenn man einmal in Grönland war, vergisst man es nie.« Und es stimmt. Etwas bleibt – eine Faszination, die nachwirkt. Und die leise Hoffnung, eines Tages zurückzukehren. Vielleicht in einen anderen Teil dieses großen Landes.
Könntest du dir vorstellen, in Grönland zu leben?
An einem anderen Ort zu leben, kann ich mir grundsätzlich gut vorstellen. In Grönland wäre das Leben vermutlich in den größeren Städten einfacher. In kleineren ist es anders – weniger planbar, weniger kontrollierbar. »Imaq« war eines der ersten Worte, die ich vor Ort gelernt habe. Es bedeutet: »Vielleicht. Vielleicht auch nicht.« Vielleicht kommt der Helikopter für den Rückflug. Vielleicht auch nicht. Bei schlechtem Wetter bleibt er einfach aus. So auch bei uns. Er kam erst am nächsten Tag – und der Anschlussflug war weg. Der nächste Direktflug nach Kopenhagen ging drei Tage später. Am Ende braucht man Geduld. Und ein wenig Glück. In meinem Fall führte der Weg schließlich über Umwege – Island – zurück – gerade noch rechtzeitig für die Abreise in den Familienurlaub.