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Natur des Nordens

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Abenteuer Roadtrip: Auf dem Longboard durch Schweden

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Ein Mann. Ein Rucksack. Ein Longboard. 5 000 Kilometer. 64 Tage. Erik Sander hat einen Roadtrip der etwas anderen Art hinter sich. NORR hat mit dem Abenteurer gesprochen.

Unter den Füssen rollt das Brett in rasantem Tempo über den glatten Asphalt. Vor den Augen zieht die von fünf Meter hohen Schneewänden gesäumte Straße vorbei. Und in der Ferne ragen die weißen Bergkuppen majestätisch empor. Gegenverkehr gibt es keinen. Schwedens höchstgelegener Weg, der »Vildmarksvägen«, ist nach der Wintersperre offiziell noch gar nicht für den Verkehr freigegeben. »Das imposante Stekenjokk-Plateau ganz für mich allein zu haben, war so heftig! Dieses Freiheitsgefühl lässt sich nicht in Worte fassen«, erinnert sich Erik Sander mit einem Funkeln in den Augen. Dort oben, auf dem wohl beeindruckendsten Abschnitt des Vildmarksvägen, hätten ihn die Skeptiker, denen er im Vorfeld seiner Reise begegnet ist, sehen sollen. Vielleicht hätten sie dann verstanden, warum er Schweden umrunden wollte. Auf dem Longboard. Mit einem 65-Liter-Rucksack auf dem Rücken.

Keine Frage, eine Portion Verrücktheit braucht man schon für ein solches Unternehmen – Verrücktheit oder einfach große Abenteuerlust. Und die besitzt Sander definitiv. Nach mehreren Jahren in der Ernährungs- und Fitnessbranche stellte der studierte Biomediziner fest, dass ein Nine-to-five-Job nichts für ihn war und hängte diesen kurzerhand an den Nagel. »Geld ist mir nicht wichtig. Viel wichtiger ist es, das machen zu können, was man wirklich will; seine Träume zu verfolgen und sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen«, so Erik. »Heute bin ich Vollzeitabenteurer.«

Hinter seinem Tatendrang steckt aber noch ein anderer Grund: Er sammelt Geld für die Organisation »Hjärnfonden« und unterstützt damit die Hirnforschung.  Mit 24 erhielt Erik die Diagnose Multiple Sklerose (MS). Bis auf Gefühlsverluste in der rechten Körperhälfte lebt der heute 32-Jährige bislang ein beschwerdefreies Leben. Wie lange das so bleiben wird, steht in den Sternen. »Jetzt kann ich solch ein Abenteuer wagen. Wie es später aussehen wird, weiß man nicht.« Daran möchte er aber noch nicht denken. Weder die Krankheit noch die Sammelaktion sollen im Vordergrund des Projekts stehen. »Aber wenn ich schon Aufmerksamkeit erhalte, ist das eine gute Gelegenheit, ein Thema zu beleuchten.« Zurück zum Vorhaben, Schweden mit dem Longboard zu umrunden: Warum ausgerechnet damit? Warum sich Anhöhen hochkämpfen – womöglich noch auf schlechtem Asphalt bei Gegenwind? »Klar ist es oftmals hart, aber das Longboard vereint alles, was ich mag: Abenteuer, Extremsport, Outdoor und körperliche Herausforderung«, erklärt Erik. Außerdem ermögliche es ihm, seine Umgebung intensiver wahrzunehmen und die Natur hautnah zu erleben.

Richtig gefunkt zwischen ihm und dem Longboard hat es auf Island. Letztes Jahr umrundete er die Insel zusammen mit einer Freundin – und bekam Lust auf mehr. Und Schweden bot mehr: mehr Fahrspaß, aber auch mehr und stärker befahrene Straßen. So galt es zuerst einmal, eine geeignete Strecke mit gut asphaltiertem Belag und möglichst wenig Verkehr zusammenzustellen. Nach monatelanger Vorbereitung inklusive harten Konditionstrainings konnte Erik Sander am 1. Mai diesen Jahres sein Abenteuer starten. Mit Longboard und Rucksack brach er in Smygehuk, Schwedens südlichstem Punkt, auf. Am Meer entlang ging es die Westküste hinauf, vorbei an Ackerfeldern, durch endlos wirkende Wälder ins schneebedeckte Fjäll bis nach Karesuando und von da aus die Ostküste hinunter durch Bilderbuchlandschaften und an Rapsfeldern vorbei zurück nach Smygehuk. Das Ganze dauerte 64 Tage – einen Monat kürzer als geplant.

Das lag nicht nur am schönen Frühsommerwetter, sondern auch daran, dass Erik auf niemanden Rücksicht nehmen musste. Konnte er seinen Tag nach eigenem Gutdünken planen, stand er spätestens um fünf Uhr auf, verpackte (möglichst platzsparend) sein Nachtlager und frühstückte. Zwischen sechs und halb sieben skatete er los und stand die folgenden zehn bis zwölf Stunden – mit Ausnahme von Mittagspause und Trinkstopps – auf dem Brett. Je nachdem, wo er einen geeigneten Schlafplatz fand, schlug er zwischen halb fünf und halb acht sein Zelt auf und aß zu Abend. Auf den kleinen Campingkocher kam meist nochmals dasselbe wie mittags: am Anfang immer Couscous und Linsen in Bouillon, später kalorienreichere Mahlzeiten. Zwischen acht und halb neun legte er sich schlafen. Ausgenommen von wenigen Ruhetagen verliefen alle 64 Tage nach demselben Schema. Dennoch hatte jeder Tag seine Besonderheit: von Mückenattacken beim morgendlichen Toilettengang im Wald über atemberaubende Landschaftsformen bis hin zu unerwarteten Begegnungen. Schwedens Naturschätze, die neuen Bekanntschaften sowie natürlich all die lohnenden Talfahrten weckten erneut Lust auf mehr. Wohin das nächste Abenteuer führen wird, ist aber noch nicht klar. Was an dieser Stelle allerdings bereits gesagt werden kann: Es werden weitere – verrückte – Projekte folgen. Denn dies ist erst der Anfang von Erik Sanders Abenteurerkarriere.

 

 

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