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Trondheim Calling: Der Klang der Stadt

Einmal im Jahr wird es richtig laut in Trondheim, wenn die Künstler der Musikfestivals Trondheim Calling den Geräuschpegel der Stadt anheben. Doch auch sonst herrscht in der Stadt am Nidelva nicht unbedingt nur Ruhe.

Es rauscht leise, wenn man am Flussufer steht und in Richtung der Speicherhäuser schaut. Durch den Nidelva-Fluss treiben ein paar Eisschollen. Holzhäuser säumen das Gewässer. Sie leuchten ockergelb, mintgrün oder braunrot in der Abendsonne, die Anfang Februar gegen vier Uhr die letzten Sonnenstrahlen sendet – ein friedliches, ruhiges Bild.
Doch Trondheim, mit etwa 180 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Norwegens, ist nicht überall so ruhig. Es lohnt sich, genau hinzuhören in dieser Stadt, die 400 Kilometer nördlich von Oslo liegt. Sie hat einen sehr eigenen Sound. Mal rauscht sie, mal sirrt sie, mal schweigt sie.

ES WIRD LAUT

In diesen Tagen, Ende Januar, wird sie abends richtig laut: Das Trondheim Calling findet statt, ein Musikfestival mit parallel laufender Konferenz. Es sorgt für gänzliche andere Zwischentöne: In einem Ausstellungsraum gibt ein Solokünstler aus dem Norden Norwegens, der sich Jesus Fucking Christ nennt, ein Konzert. Er schreit sich zu simplen Beats die Seele aus dem Leib. Billie Van aus Kopenhagen und Oslo spielen in Kneipen-Ambiente wenige Meter weiter Rockabilly-Rhythmen. In einer Kunstakademie gibt es Metal und Stoner Rock. Und im Dokkhuset, einem Kulturzentrum, spielen Einar Stray folkige Töne und singen a capella. Sie passen mit ihren sanften, zarten Tönen am Besten zum beschaulichen, winterlichen und doch überraschend milden Trondheim.
Am nächsten Tag dann geht es durch den Strandveien und das heutige Hafengebiet Richtung Lade. Lade ist ein zu Trondheim gehörender Ort auf einer Halbinsel. Man passiert einen riesengroßen Bunker und durchquert den von einem fischigen Geruch überzogenen Hafen. Dann geht es auf einem wunderbaren, zum Teil etwas felsigen Wanderweg am Trondheimsfjord entlang, dem „Ladestien“. Man läuft fast immer am Wasser entlang. Auch hier wieder: Stille. Es sei denn, Wanderer queren mit Nordic Walking-Stöckern den Weg. Klack, klack.

PLÄTSCHERN UND RAUSCHEN

Aber auch tagsüber gibt es in Trondheim Musik: Auf der Ladeinsel befindet sich das Ringve Musikkmuseum. Es liegt auf einem Hügel in einem alten, fast fürstlich wirkenden Hof. Drinnen kann man Musikinstrumente aus den vergangenen drei Jahrhunderten betrachten und sich ihren Klang über Audio-Guides anhören. Vom Militärmarsch bis zur Volksfestmusik, vom Philharmonie- bis zum Rockclubsound ist alles dabei. Man sieht einen persischen Dudelsack von anno dazumal oder eine E-Gitarre von Les Paul aus den 50ern. Und in der nächsten Vitrine dann Blasinstrumente und Trommeln aus den 30ern. Auf den Ohren: blecherne Töne.

Es gibt noch ein weiteres Musikmuseum in Trondheim, das Rockheim. Hier, in einem opulenten Bau mit großer, quaderartiger Dachkonstruktion nahe des Hauptbahnhofs, sind Black Metal, Punk, Hardcore, Blues und Jazz zu hören. Das Rockheim ist wie ein begehbares, audiovisuelles Archiv der Rockära. Es bringt einem vor allem die norwegische und skandinavische Musik der jüngeren Zeit nahe. Wenn man Rock- oder Popfan ist, wird man das Museum mit seinem vielen Video- und Audioinstallationen lieben. Man kann sich von Bill Haley zu Elvis, von A-ha bis zu Madonna durch die Musikgeschichte klicken.
Und in ruhiger Umgebung Kraft tanken, das kann man ja danach wieder. Ob am Trondheimsfjord, an einem alten Hafenbecken oder an am Nidelva, wo es leise plätschert und rauscht.

 

 

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