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Natur des Nordens

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Stikos Walzer im Frühling

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Jedes Jahr im Frühling macht sich der Musiker Stiko Per Larsson wieder auf den Weg. Er gibt Konzerte in Schweden, Norwegen und Dänemark. Doch statt aufwendige Tourlogistik zu bemühen, macht er es so wie seine Vorfahren:
Er geht zu Fuß.

»Das sind echte Kerle, da in Dalarna«, sagt Stiko Per Larsson, der Kerl aus Dalarna. Frauen und Männer mit eigenem Kopf und klingendem Dialekt. Fest verwurzelt in den wald- und hügelreichen Tälern rund um den Siljansee und den Fluss Dalälven, dem wohl traditionellsten Fleckchen Schwedens. Die »Dalkarlar« vertrieben im 16. Jahrhundert die Dänen aus dem Land. Ihr Symbol, das dicke rote Dalapferd, passt auch deshalb zu den Menschen, weil es nicht so schnell umfällt.

So viel zu Stiko Per Larssons Erbgut. Der Liedermacher redet viel und gerne über seine Herkunft. Eine Geschichte, die eng damit verknüpft ist, ist die seiner Wanderungen. Seit 2007 macht er sich jeden Frühling auf und läuft zu Fuß durch Schweden. Immer mit dabei: Die Gitarre, sein kanadischer Mitläufer Michel und dessen deutscher Jagdhund Yrrol. Jeden Abend ein Auftritt. Jede Nacht bei Fremden. Jeden Morgen weiter. »Nein«, sagt Stiko, »ein Ritual ist das nicht.« »Ein Ritual ist, wenn man sich die Schuhe zubindet. Die Wanderungen, die sind eine Tradition.« Seine eigene – und die seiner Vorfahren.

Zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert wanderten jedes Jahr im Frühling Tausende Saisonarbeiter von Dalarna aus gen Stockholm, wo man sie als Zimmerleute, Garten- und Waldarbeiter schätzte. Drei- bis vierhundert Kilometer. Im Herbst wanderten sie dann wieder zurück.

Der Darlkarlsvägen, ein System von Wanderwegen zwischen Dalarna und Stockholm, geht darauf zurück. Der Weg als Verbindung zur Heimat, im geographischen wie im geistigen Sinne. Damit konnte sich Stiko – Zuhause in Leksand, Dalarna, wohnhaft in Stockholm – gut identifizieren. So lief er 2007 den Dalkarlsväg von Rättvik nach Stockholm. Und hatte seine Geschichte gefunden.

2008 ging es in umgekehrte Richtung von Stockholm nach Leksand. 2009 verließ er die Ahnenpfade und tourte nach Göteborg. 2010 war Oslo das Ziel. Die Wanderungen sind heute ein Teil der Marke Stiko Per Larsson. Wo zeitgleich die Idol-Jury (das schwedische Pendant zu Deutschland sucht den Superstar) durchs Land zieht, um die nächsten Retorten zu casten, ist ein singender »Darlkarl« auf der Walz ein echter, weil authentischer Gegenentwurf.

Die Tournee beschert ihm die Aufmerksamkeit lokaler Zeitungen und Radiostationen. Die Leute kommen gerne zu seinen Konzerten. Nie musste er sich über eine Unterkunft Gedanken machen. Stikos Videoblog mit GPS-Ortung verfolgen Hunderte Fans und Freunde.

Die treuesten unter ihnen haben einen Club gegründet: Die Stiko Stalkers. Nichts hilft besser gegen schmerzende Füße als ihre Kommentare. Nichts rechtfertigt die Anstrengungen des Marsches mehr als der abendliche Applaus. »Ich bin ja Künstler. Davon lebe ich«, sagt er.

Apropos Künstler: Muss es nicht sehr inspirierend sein, durch den schwedischen Frühling zu wandern? Beflügelt die Natur nicht die Kreativität? »Haha. Nej!« Keine einzige Zeile hat Stiko je auf seinen Wanderungen zustande gebracht.

Nach ganztägigem Marschieren bei wechselnden Weg- und Wetterbedingungen, nach Auftritten mit anschließendem Bad zwischen Einheimischen und nach der Arbeit mit dem Videoblog bleiben oft nicht mehr als drei Stunden Schlaf.

»Musik schreibe ich im Sommer in aller Ruhe. Zuhause bei meinen Eltern«, sagt Stiko. So sind sie also, Stikos vier Jahreszeiten: Schreiben im Sommer. Sacken lassen im Herbst. Produzieren im Winter.

Im Frühling die neue Platte – rechtzeitig zur Wanderung. Die heißt in diesem Jahr »Varken stjärna eller frälst«
(Dt.: Weder Star noch gläubig). Gerade wurde die erste Single ausgekoppelt, »Oxens År« (Dt.: Jahr des Ochsen). Stikos Ochsentour 2011 beginnt am 20. April in Stockholm – und endet am 28. Mai in Kopenhagen.
Danach ist dann wieder Ruhe.▲

 

 

 

 

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