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Natur des Nordens

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Gotska Sandön: Ein Kinderabenteuer

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Drei Väter und fünf Töchter nehmen die erste Fähre des Sommers zum einsamsten Ort der Ostsee: Gotska Sandön. Als sie an Land geklettert sind, zieht ein Sturm auf. Im Gepäck sind viele Kuscheltiere, aber nur wenige warme Sachen zum Anziehen.

Manche Eltern erwecken den Eindruck, als wären sie direkt von der Entbindungsstation in die freie Natur hinausgefahren. Als hätten sie ihre Kinder von Geburt an zu Ausflügen in den Wald mitgenommen, zum Schlafen im Freien, zu Bergwanderungen und  zu Paddeltouren in den Schären. Diese Väter und Mütter haben die Taschen voll selbstgebackener Energieplätzchen, planen im Voraus, wo Rast gemacht wird, zünden behagliche Lagerfeuer an und schützen ihre Kinder mit wissenschaftlicher Präzision vor Kälte und Nässe. Ich wünsche mir immer wieder, einer von ihnen zu sein. Aber ich bin es nicht. Und Jon und Vejde sind es auch nicht. »Alles, was ich vom Campingleben weiß, hab ich mir beim Rumfrieren auf Rockfestivals angeeignet «, sagt Vejde, als wir unsere Reise planen. »Also denkt dran, Handschuhe einzupacken – auf Rockfestivals kriegt man immer kalte Hände.«

EINE SEEFAHRT …

Um mit dem Schiff nach Gotska Sandön zu kommen, müssen wir einen Regionalzug nehmen, der am Freitagmorgen um 6.40 Uhr von Årsta nach Nynäshamn fährt. Leider fange ich erst um Mitternacht an zu packen – das mag der Grund dafür sein, dass ich die Kulturtasche mit den Tabletten gegen Seekrankheit, den Zahnbürsten, den Heftpflastern und anderen wichtigen Sachen vergesse. Ich habe nur gut vier Stunden geschlafen, als ich Milla und Simone wecke. Bis zur Ankunft des Taxis schaffen wir gerade noch ein Schnellfrühstück. Ich verfrachte die beiden auf den Rücksitz und gehe ins Haus zurück, um das Gepäck zu holen. Da merke ich, dass ich uns ausgesperrt habe. Statt zum Bahnhof müssen wir nun zu einem Freund fahren, um die Ersatzschlüssel zu holen, dann noch einmal nach Hause wegen des Gepäcks. Ich bitte den Taxifahrer, sein Bestes zu geben. Um 6.37 Uhr rennen wir auf den Bahnsteig und erwischen gerade so eben den Zug, den auch Jon und seine Tochter Lo nehmen. Am Hafen von Nynäshamn knattern die Flaggen, es weht ein starker Wind. Dazu gibt es Nieselregen. Die in Norwegen gebaute »M/S Gotska Sandön« ist 30 Meter lang, hat zwei Motoren mit 800 PS und Platz für 96 Passagiere. Sie sieht zuverlässig aus. Das Gepäck wird an Deck in Kisten verstaut. Kurz vor der Abfahrt fehlen noch drei Personen: Vejde, Franka und Cora. Ich rufe Vejde an. Er sagt: »Wir gehen gerade vom Parkplatz los! Bis gleich.« Sobald wir die Schären hinter uns gelassen haben und auf dem offenen Meer sind, fängt das Schiff kräftig an zu schaukeln. Der Seegang rollt von der Seite heran, auf den Tischen geraten Tabletts und Kaffeetassen ins Schlittern, und man muss sich festhalten, wenn man von A nach B will. Wir haben noch gut 80 Kilometer Überfahrt vor uns. »Bauchweh«, sagt Simone und wird blass. Gleich darauf kotzt sie sich, mich und den Fußboden voll. Ein bisschen gelangt sogar in die Spucktüte. Als ich uns im Waschraum gesäubert habe, wird mir selber schlecht. Kurz danach übergibt Simone sich zum zweiten Mal, und dann auch Milla. Vor Erschöpfung schlafen die beiden Mädchen kurz darauf ein, und die anderen Kinder ebenfalls. Ich bin völlig fertig, noch bevor wir überhaupt einen Blick auf Gotska Sandön geworfen haben. Ringsum nur graues, aufgewühltes Meer, kein Land in Sicht. So schön die Ostsee ist, so bedrohlich kann sie sein.

ALLEIN AUF DER INSEL

Gotska Sandön ist einer der ältesten Nationalparks in Europa. 1909 schuf Schweden, inspiriert vom Yellowstone National Park in den USA, als erstes europäisches Land neun Nationalparks im Land, zu denen auch ein Teil von Gotska Sandön gehörte. Der Schriftsteller Albert Engström war unter denen, die sich für die Insel ausgesprochen hatten. In seinem Buch »Adel, Priester, Schmuggler, Bauern« schrieb er: »Viele Schweden kennen Gotska Sandön nicht einmal vom Namen her, und die übrigen haben nur einen sehr vagen Begriff davon. Sie wissen nicht, dass diese Insel die Perle der Ostsee ist, ein Paradies auf Erden. Weil sie eben nicht, wie die meisten glauben, ausschließlich aus Sand besteht.« Der Nationalpark ist seitdem zweimal erweitert
worden und umfasst heute die ganze Insel, mit Ausnahme eines kleinen Friedhofs im Südwesten. Es stimmt, dass Gotska Sandön nicht nur aus Sand besteht. Das sehen wir, als wir uns der Küste nähern. Es sieht so aus, als ob ein etwa zehn Meter breiter Strandstreifen rund um die Insel läuft, aber dann kommen Dünen und Strandwiesen und dahinter der Kiefernwald, der den größten Teil der Insel bedeckt. Ich hatte mir Gotska Sandön immer als nahezu flache Scheibe mitten im Meer vorgestellt, aber die Wirklichkeit sieht anders aus: ein hoher, bewaldeter Höhenzug zieht sich quer über die Insel. Vor der Küste ist das Wasser seicht, einen Hafen gibt es hier nicht. Deshalb gleitet das Schiff vorwärts, bis es nahe am Strand auf Grund läuft, wo ein Landesteg wartet. Wir erwachsenen Passagiere bilden eine Kette und reichen das ganze Gepäck von Hand zu Hand, von den Kisten an Bord bis zum Strand. Als wir an Land gegangen sind, setzt das Schiff zurück. Nun sind wir, knapp 100 Personen, allein auf dieser Insel mitten in der Ostsee, zusammen mit dem Nationalpark-Ranger und dem Campingwart vom schwedischen Tourismusverband. »Fahren wir jetzt zum Hotel?«, fragt Simone.

DIE ERSTE NACHT IM ZELT

Ich erkläre ihr, dass wir zuerst eine längere Strecke laufen und dann im Zelt schlafen werden, genau wie Jon und Lo. Vejde und seine Töchter sind in einer kleinen Hütte untergebracht, gemeinsam mit der Fotografin Karin. Als ich mit dem Gepäck fertig bin, will Simone wissen: »Schlafen wir auf einem Sofa?« Im Gegensatz zu ihrer großen Schwester hat sie bis jetzt noch nie im Zelt übernachtet. Am Strand entlang machen wir uns auf den Weg zu dem kleinen Hüttendorf und dem Campingplatz, die etwa vier Kilometer entfernt sind. Kleine Kinderfüße versinken tief im Sand, und über all die rundgeschliffenen Steine kann man leicht stolpern. »Trag mich«, sagt Simone – ein Kommando, das ich in den Tagen auf der sandigen Insel noch viele Male hören werde. Ich setze sie auf meine Schultern und nehme Milla an die Hand, und so gehen wir miteinander weiter. Es duftet nach Meer, und der Wind rauscht in den Kiefernkronen. Trotz der Milchsäure in meinen Oberschenkeln, fühlt sich in diesem Moment alles richtig an. Doch der Blick aufs Meer lässt mich nicht gerade vor Freude explodieren. Eine beunruhigende Wolkenwand breitet sich dort draußen aus. Außerdem soll eine massive Kaltfront über die Ostsee in unsere Richtung unterwegs sein.

MÜDE VÄTER – MUNTERE KINDER

Am nächsten Morgen decken drei hohläugige Väter den Frühstückstisch. Gestern haben wir die Zelte aufgebaut, einen Ausflug zu einem Strand namens Västra Sidan (Westseite) gemacht und zum Abendbrot panierte Dorschfilets mit Reis zubereitet. Drei Dinge, die sich nur scheinbar einfach anhören, wenn man Zeltheringe vor den Kindern verstecken, am Strand Windeln wechseln, mit Sand gefüllte Stiefel ausleeren, Blaubeersuppe verkleckern und zwischen den Klohäuschen Verstecken spielen muss, und wenn kleine Kinderhände, die nicht direkt an effektive Produktionsabläufe gewöhnt sind, den Dorsch in Mehl, Ei und Bröseln panieren. Aber unsere knubbeligen selbstgemachten Fischstäbchen waren trotzdem auf jeden Fall viel besser als jeder effektiv produzierte Fischburger dieser Welt. Wir Erwachsenen wollten gestern eigentlich noch Wein trinken, Käse und Cracker essen, nachdem wir die Kinder ins Bett gebracht hatten. Doch Vejde ist beim Zubettbringen seiner Töchter gleich mit eingeschlafen, und von Jon kam eine SMS aus dem Zelt: »Wenn es für euch o.k. ist, schlafe ich jetzt. Bin total am Ende.« Simone hat dann im Laufe des Abends auch noch Fieber und Husten bekommen. Karin ist in unser Zelt umgezogen, während ich und die Mädchen uns das Schlafsofa in der Hütte geteilt haben. Frühmorgens wurden wir von Jon und Lo geweckt, die sich in der Hütte aufwärmen wollten. Draußen sind nur knapp zehn Grad, obwohl wir das erste Juniwochenende haben. Aber je schläfriger die Väter sind, desto munterer werden die Kinder. Sogar Simone, deren Fieber wieder abgeklungen ist. Sie finden es toll, dass wir uns in der winzigen Hütte zusammen drängen, die sich schnell in ein einziges, chaotisches Spielzimmer verwandelt hat. Milla, sechs Jahre alt, und Franka, fast fünf, haben sich gefunden. Cora, drei Jahre, die zweijährige Simone und die einjährige Lo sind das Gefolge. Der Lagerplatz mit einer kleinen Jugendherberge und Gemeinschaftsküche, sechs Hütten und Zeltplätzen liegt strategisch günstig an der Nordwestspitze der Insel. Von dort ist es nicht weit zu dem hohen Leuchtturm, mit dessen Bau 1856 begonnen wurde, nachdem vier englische Schiffe in diesen Gewässern auf Grund gelaufen waren. Das kleine Leuchtturmdorf in der Nähe mit seinem Miniaturmuseum, der Kapelle und einer alten Scheune, in der, so erzählt es die Sage, der Seeräuber Petter Gottberg am Anfang des 19. Jahrhunderts schiffbrüchige Seeleute erschoss, liegen direkt daneben. Wir entdecken auch eine alte Holzfällerbaracke mit breiten Pritschen, die jeweils für vier Arbeiter gedacht waren, dazu einem Bett für die Köchin und einem Holzofen. Wir sind alle ein wenig müde, durchnässt und hungrig, aber unsere Sorgen verblassen recht schnell als uns klar wird, wie die Waldarbeiter damals hier leben mussten. Auf Gotska Sandön hat man Spuren aus der Steinzeit und aus späteren Epochen gefunden, von Robbenjägern und Fischern, denen die Insel als gelegentlicher Stützpunkt diente. Seit dem Mittelalter gab es eine kleine Gruppe ständiger Bewohner, die sich von dem ernährten, was Wald und Meer hergaben (unter anderem in Form gestrandeter Schiffe), außerdem von der Schafzucht. Auch im Süden der Insel stehen ein paar alte Gebäude. Aber so weit südlich kommen wir nicht, und auch wenn die Gebäude auf Gotska Sandön spannende Geschichten erzählen, ist es doch die Natur, die den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt. Jedenfalls bei uns Erwachsenen. Der etwa 40 Meter hohe Hügel trennt den nordwestlichen Teil der Insel von ihrem Rest. Die Inselbewohner gruben vor langer Zeit einen Durchgang, den sogenannten Schipkapass, um Transporte von einer Seite zur anderen zu erleichtern. An dieser Stelle klettern wir auf den Hügel und werden mit einem Panoramablick über die ganze Insel belohnt. Es ist ein magischer Ort, in alle Richtungen mit 300 Jahre alten, hohen Kiefern bewachsen, mit knotigen Wurzeln im Erdboden und Blaubeerkraut, das wie ein selbstleuchtender, hellgrüner Teppich zwischen den Bäumen liegt. Leider wird das Wetter immer schlechter. Regen und Wind dringen durch die Kleidung der Kinder, und ihre Lippen werden immer blauer. Simones Hände sind eiskalt. Trotz Vejdes weisem Ratschlag habe ich die Handschuhe natürlich zu Hause vergessen. Ich schäme mich, dass ich viel zweckmäßiger gekleidet bin als meine zweijährige Tochter, deren Sachen bei Weitem nicht so funktionell und durchdacht sind wie meine. Zum Beispiel habe ich wollene Unterwäsche an, während sie ihre gewohnten Strumpfhosen und Pullis aus Baumwolle trägt.

BEKANNTSCHAFTEN

Wir kehren zum Lagerplatz und zur Hütte zurück. Der Insel-Ranger berichtet, dass ein Sturm über der Ostsee aufgezogen ist. Das Schiff, mit dem wir morgen zurückfahren wollten, kann wahrscheinlich erst einen Tag später hier anlegen. Zum Glück haben wir den Rat beherzigt, immer für einen zusätzlichen Tag Proviant mitzunehmen, wenn man Gotska Sandön besucht. Oft kann eine kleine Krise oder Katastrophe ein willkommener Anlass dafür sein, dass Menschen einander besser kennenlernen. Wenn man andere Inselbesucher trifft, kommt man sofort auf den Sturm zu sprechen. Ein aus Gotland angereister Familienclan erzählt uns, dass die geplante Wanderung rund um die Insel wegen der Windstärke abgeblasen werden musste. Der Buchclub Hexa, bestehend aus sechs Stockholmer Frauen, läuft fröstelnd in dünnen, durchnässten Jacken herum. Einmal im Jahr verreisen sie zusammen, um sich mal so richtig auszuquatschen, und lesen dazu ein Buch mit Bezug zu ihrem Reiseziel. Diesmal war die Wahl auf Gotska Sandön gefallen, weil Anna Janssons Kriminalroman »Die Insel der Puppen« dort spielt. Maria Streck, die ein Café betreibt, berichtet vom Versuch der Gruppe, an der Landzunge Säludden die Robben zu erspähen, die der Name verspricht. »Aber wir haben keine einzige Robbe gesehen. Und meine Jeans sind klatschnass geworden«, sagt sie und lacht resigniert. »Das Buch ist übrigens extrem schlecht«, fügt sie noch hinzu. In einem Bootsschuppen unten am Strand sitzen vier etwa gleichaltrige Männer, die ein ganz anderes Interesse vereint. Sie sind begeisterte Amateurfunker und nennen sich »Shadow DX’ers«. Die vier Männer haben das Bootshaus und den Strand draußen mit technischen Geräten vollgestellt, aber der Sturm macht es ihnen schwer. Mindestens drei Antennen werden vom Wind abgeknickt. Die größte Besuchergruppe stellen, wie im Frühsommer üblich, die Vogelbeobachter. Gotska Sandön ist für sie einer der besten Orte in Schweden. Sie gehen frühmorgens los und schleichen mit ihren riesigen Fernrohren auf der Inselm herum.

SCHÄUMENDE WELLEN

Milla, Simone, Karin und ich sitzen in dem alten Leuchtturmwärterhaus, trinken warmen Saft und essen Kekse. Vejde und seine Kinder entspannen sich in der Hütte, Jon und Lo machen einen Waldspaziergang. Der Leuchtturm ist einer der wenigen Orte, an denen mein Mobiltelefon Empfang hat und piept, als eine SMS kommt. Sie ist von meiner Mutter, die fragt, ob ich mit den Kindern am nächsten Samstag oder Sonntag meine Großmutter besuchen kann. Aber sie hat sich vertippt, und statt »sö« für »So(nntag)« steht da »dö«, was »sterben« bedeutet. Gerade jetzt klingt das leider wie ein schlechtes Omen. Ich habe nämlich beschlossen, dass die Mädchen den Sturm aus nächster Nähe erleben sollen. Wir wollen zum Strand hinuntergehen und auf das Meer hinausschauen, so dass sie einmal richtige Sturmwogen sehen. Wir finden einen Pfad,
der durch ein Gestrüpp von verkrümmten, abgestorbenen Bäumen führt. Hier weht es nicht so stark, aber als wir bei den Sanddünen herauskommen, zerrt der Wind an unseren Klamotten. Simone klammert sich an mich wie ein Äffchen und vergräbt ihr Gesicht an meinem Hals. Ich halte Milla an der Hand, und wir drängen uns aneinander und kämpfen uns in Richtung Wasser vor. Das Tosen des Windes ist so laut, dass wir uns nicht verständigen können. Schließlich sind wir bei der letzten Düne angelangt, wir kriechen dahinter eng zusammen, und ich zeige Milla, wie wir uns ein wenig hochrecken können, um das Meer zu sehen. Die Wellen sind fast zwei Meter hoch und brechen sich schäumend am Ufer. Der Wind bringt Regen und Sand mit, was sich im Gesicht anfühlt wie kleine Peitschenhiebe. Es ist wild und schön, und als ich Milla frage, ob sie es spannend findet, nickt sie. Simone dagegen ist ganz still und stumm. Wie ein plötzlicher Schwindel erfasst mich das Gefühl, etwas vollkommen Idiotisches getan zu haben, und wir machen uns auf den Rückweg. Immer noch kein Laut, keine Bewegung von Simone. »Sie hatte in der Nacht hohes Fieber! Was mache ich hier eigentlich?«, frage ich mich selbstkritisch. Um die Kinder vom Sturm abzulenken, der sich jetzt gar nicht mehr spannend anfühlt, sondern nur noch gruselig, singe ich wieder das Pippi-Langstrumpf-Lied. Immer dieselbe Strophe, die einzige, die ich richtig kann. Nach vielleicht zehn Minuten murmelt Simone etwas. »Was hast du gesagt?«, frage ich besorgt. »Du sollst auch was von Herrn Nilsson singen!« Eine Welle von Glücksgefühlen durchströmt meinen Körper.

BELOHNUNG

Am nächsten Tag reißen die Wolken auf, aber der Seegang ist so hoch, dass das Schiff noch nicht kommen kann. Uns wird ein Extratag auf Gotska Sandön geschenkt, was ich wunderbar finde. Denn all diese Strapazen bringen uns, Erwachsene und Kinder, einander näher. Alle zusammen gehen wir zum Strand, wo ich gestern mit Milla und Simone war. Jetzt, nach drei gemeinsamen Tagen in der kleinen Hütte und in den Zelten, im Wald und in den Dünen, sind wir wie ein kleines Rudel. Die Kinder sehen zerzaust und schmutzig aus, aber ihre Bewegungen sind geschmeidiger geworden. Es scheint ihnen zu gefallen, dass sie den ganzen Tag höchstens ein paar Meter von ihren Vätern entfernt sind. Die Stimmung ist harmonisch. Am Strand spielen die Mädchen mit Steinen und Treibholz, stundenlang. Sie entdecken einen faszinierenden Ameisenlöwen, der Fangtrichter in den Sand gräbt. Wir Erwachsenen liegen auf dem Rücken und schauen zum Himmel hinauf. Trinken einen Becher Kaffee. Hören den Wellen zu. Dann kommt die Sonne raus. Mehr als das hier brauchen wir nicht.

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